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Wilde Sakerfalken in Ungarn

Der Stromanbieter MAVIR aus Ungarn zeigt jedes Jahr aufs Neue live über YouTube eine Webcam, über die man sehen kann, wie ein dort wild lebendes Sakerfalken-Paar ihre Jungen aufzieht.
Es gibt dort viele Brutkästen für die Sakerfalken, hoch auf den Strommasten, geschützt vor Mardern und vor menschlichem Zugriff, aber nur ein Kasten wird live gezeigt. Die Ungarn sind sehr stolz auf ihre Sakerfalken und helfen ihnen mit diesen Bruthilfen, die jedes Jahr gereinigt werden.
Es gab bereits Jahre, in denen man keine Saker-Babys zu sehen bekam, weil keine vor der Live-Kamera geschlüpft sind. Eventuell waren die Eier unbefruchtet.
2025 konnte man allerdings bestaunen, wie fünf Sakerfalken-Babys geschlüpft sind. Saker-Mama und Saker-Papa kümmerten sich liebevoll um die Kleinen, und alle fünf haben es tatsächlich geschafft, groß zu werden. Die Eltern mussten Unmengen an Nahrung heranschaffen, damit die Kleinen genug bekamen, um kontinuierlich zu wachsen. Es gab oft Tauben als Nahrung, das ist gutes und nährstoffreiches Fleisch.
Für alle, die es verpasst haben, zeige ich hier eine Zusammenfassung der Monate März bis Anfang Juni 2025. Die Bilder sind Bildschirmfotos, die ich von YouTube gemacht habe.
Der Kanal heißt „Serverside Kft.„, die Übertragung heißt „MAVIR – Ragadozómadár fészek megfigyelés közeli“. Hier der link zur Live-Übertragung.

Da man vorher nicht weiß, wie viele Eier tatsächlich gelegt werden, habe ich mich über jedes neue Ei gefreut. Man hört immer wieder, dass die Falken nur so viele Eier legen, wie sie sicher versorgen können. Gibt es in ihrem Revier genug Beute, und sind beides, Mutter und Vater, gute Jäger, dann werden mehr Eier gelegt. Man weiß ja auch nie sicher, ob alle Jungen durchkommen, oder ob eins nicht schlüpft oder krank wird.

Es war zu beobachten, dass der Sakret (so nennt man männliche Sakerfalken) seine Partnerin beim Brüten abgewechselt hat. In der Zeit ging sie auch selbst auf die Jagd und kam oft mit vollem Kropf zurück. Da er von Natur aus kleiner ist als seine Partnerin, hatte er manchmal seine liebe Not damit, alle fünf Eier unter sich warm zu halten.

Auseinanderhalten konnte man ihn und sie nicht nur anhand der Größe, sondern sie war vorne brauner und dunkler, er war dagegen vorne heller. Das war bei diesem Paar so und gilt nicht allgemein.

Sakerfalken schlüpfen nach ungefähr 30 Tagen Brutzeit. Manchmal sind es ein bis zwei Tage mehr. Zuerst schlüpfen die Jungen, deren Eier als erstes gelegt wurden. Daher kann es sein, dass ein Junges (so war es hier) auffallend klein und schwach ist, das ist das „Nesthäkchen“, das zuletzt geschlüpft ist.
Am 22. April sah ich zum ersten Mal die stolze Mama mit ihren frisch geschlüpften Küken.

Wenn ich mal einen Tag nicht schauen konnte, dann war ich danach erstaunt, wie schnell die Kleinen wachsen. Sie werden ungefähr sieben Wochen im Nest versorgt, bevor sie flügge werden. In diesen Wochen müssen sie groß werden, die Federn müssen wachsen, das erfordert Unmengen an Nahrung.
Manchmal lagen die Kleinen ziemlich lange alleine und schutzlos im Kasten. Da tauschte ich mich mit anderen aus, die die Aufzucht auch beobachteten, und wir spekulierten, was los sein könnte und hofften inständig, dass den Eltern nichts passiert ist. Zum Glück kamen die Eltern immer zurück, meistens mit Futter, manchmal ohne.

Es war wunderschön anzusehen, wie liebevoll sowohl Mama als auch Papa mit den Kleinen umgingen. Es muss eine wahnsinnig anstrengende Zeit für die Eltern gewesen sein, fünf kleine hungrige Mäuler zu stopfen und auch selbst noch satt zu werden. Ich habe mehr als einmal gebangt, ob das alles gut gehen kann. Besonders der Kleinste hat mir Sorgen bereitet, weil man oft gesehen hat, wie er zu schwach war, um sich bei der Fütterung nach vorne zu drängen. Seine Geschwister haben alles erbettelt und gefressen und er ging öfter leer aus. Für eine kurze Zeit war zu befürchten, dass er eventuell nicht überlebt.

Mitte Mai begannen die Federn zu wachsen. Wenn das Federwachstum komplett abgeschlossen ist, dann sagt man, dass der Vogel „trocken“ ist. Dann fließt kein Blut mehr durch die Federkiele.
Wenn die Kleinen in dieser wichtigen Zeit oft hungern müssen, weil die Eltern nicht genug Beute heranschaffen, dann haben diese ersten Federn „Grimale“, das sind Hungerstreifen. Die Federn können an diesen Stellen später abbrechen, wenn sie stark beansprucht werden. Hier, bei dieser Familie konnte ich zu meiner großen Freude beobachten, dass die Kleinen sehr gut versorgt wurden. Die Eltern müssen wirklich gute Jäger sein.

Sobald die Kleinen ihre Eltern sahen, begann das Geschrei. Sie bettelten lauthals um Futter.
Ende Mai standen die Jungen viel und sie begannen zu ballieren, das bedeutet, sie schlugen mit den Flügeln. Damit trainierten sie ihre Brustmuskulatur.
Das Fressen war in den ersten Wochen noch niedlich. In den letzten Wochen wurde es zunehmend chaotischer und aggressiver. Sobald Futter gebracht wurde, begann die Schlacht um das Essen und jeder hackte Richtung Essen oder Richtung Geschwisterchen.
Das Nesthäkchen, um das ich mir anfangs noch Sorgen gemacht habe, hat sich prächtig entwickelt. Es hat um sein Leben gekämpft und es hat gewonnen. Dieser Falke wird ein Kämpfer!

Die ersten Mutigen verließen den Brutkasten und wagten sich auf die Balken daneben.
Die Kleinen konnten noch nicht richtig fliegen, daher war diese Zeit gefährlich. Gut, dass keiner abgestürzt ist!

Wenn die Jungen den Brutkasten verlassen, werden sie noch einige Wochen von den Eltern versorgt. Sie zeigen ihnen, wie man fliegt und wie man jagt. Bis sie das können, werden sie weiter von den Eltern gefüttert. Und dann heißt es Abschied nehmen. Die Jungen müssen sich ein eigenes Revier suchen.

Habt ein gutes Leben, liebe Sakerfalken!

Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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1 Kommentar

  1. sagt:

    Bei diesem Text und den Bildern geht mir das Herz auf! Danke fuer’s Zeigen!

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