Die Falknersprache ist weit mehr als nur eine Sammlung alter Begriffe. Sie ist ein Stück gelebte Tradition, entstanden aus jahrhundertelanger Erfahrung mit Falken, Greifvögeln und der Beizjagd. Begriffe wie „abtragen“, „beizen“ oder „Geschüh“ beschreiben oft Dinge sehr viel präziser, als moderne Alltagssprache es könnte.
Wer die Falknersprache pflegt, bewahrt damit nicht nur Wissen, sondern auch Kulturgeschichte. Sie verbindet Generationen von Falknern miteinander und schafft ein gemeinsames Verständnis für Handwerk, Waidgerechtigkeit und den respektvollen Umgang mit dem Vogel.
Vielleicht liegt gerade darin etwas Besonderes:
Dass in einer Zeit, in der vieles schneller und oberflächlicher wird, durch die Falknersprache noch etwas erhalten bleibt, das Tiefe, Erfahrung und Verbundenheit mit der Falknerei ausdrückt.

Alphabetisch geordnet.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich die männliche Form. Sie gilt selbstverständlich gleichermaßen für Falknerinnen und Falkner.

A

Abspinnen – Man streichelt den Vogel mit einer Feder, um ihn zu beruhigen, und um ihn schrittweise an die Hand zu gewöhnen.

Abtragen – Der Vogel wird gezähmt und trainiert. Während des Abtragens soll sich der Vogel an den Falkner und die Umgebung gewöhnen. Erste Trainingseinheiten erfolgen, wie das Landen auf dem Handschuh. Ziel ist eine partnerschaftliche Verbindung zwischen Vogel und Falkner.

Angehen – Der Falkner nähert sich behutsam dem Vogel, der auf der Beute steht.

Anwarter – Der Falke wartet hoch am Himmel kreisend über dem Falkner und dem Jagdhund. Er wartet darauf, dass das Wild (wie Fasan oder Rebhuhn) aufgescheucht wird, um dann im Sturzflug herabzustoßen.

Ästling – Ein junger, noch nicht voll ausgefiederter Greifvogel, der sich in der Nähe des Horstes aufhält, und der noch von den Eltern versorgt wird.

Atzbrett – Ein Platz in der Voliere, auf den das Futter gelegt wird.

Atzklaue – Klaue (Kralle) der vorderen Innenzehe bei Greifvögeln (bzw. des Innenfingers bei Falken).

Atzung – Nahrung der Greifvögel und Falken.

Aufschirren – Man legt dem Beizvogel seine gesamte jagdliche Ausrüstung an. Dazu gehört: Geschüh, Adreßtafel, Drahle, Langfessel und Bells.

Aufsteilen – Der Falke gleitet fast senkrecht in die Höhe, nachdem er die Geschwindigkeit des Jagdfluges nach einem Fehlstoß abfängt.

Aufstellen – Die Anschaffung eines Beizvogels.

B


Badbrente – Badeschüssel des Vogels, aus der auch Wasser geschöpft (getrunken) wird.

Ballieren – Der Vogel schlägt mit den Schwingen.

Beireiten – Man läßt den Vogel auf die Faust (den Falknerhandschuh) fliegen.

Beizjagd – So nennt man die Jagd mit dem abgerichteten Falken oder Greifvogel.

Bell – Ein kleines Glöckchen, das am Fuß des Greifvogels (am Geschüh oder am Bell-Riemchen) befestigt wird.
Es dient der akustischen Ortung.

Besprengen – Man besprüht den Vogel mit Wasser, um ihn zu beruhigen, oder als Kühlung an heißen Sommertagen.

Binden – Der Falke greift die Beute und hält sie fest.

Blaujagen – Der Falke jagt eigenmächtig und unabhängig vom Falkner.

Block – So nennt man den Stehplatz des Falken.

C und D



Cadge – Ein Transportgestell für verhaubte Falken.

Drahle – Ein drehbarer Doppelwirbel aus Metall, der die Geschühriemen mit der Langfessel verbindet und ein Verknäueln verhindert.

Durchgänge – Fehlstöße auf das Federspiel; Ein Falke fliegt Durchgänge, wenn er vom Falkner auf das Federspiel geflogen wird.

E und F

Enthauben – Dem Falken oder Greifvogel die Haube abnehmen.

Fang – So bezeichnet man den Fuß des Greifvogels.

Fangklaue – Das ist die Kralle an der hinteren Zehe des Greifvogels.

Faustfalke – Ein Falke, der direkt von der Faust aus die Beute angreift.

Federspiel – Eine Beuteattrappe, die zum Training genutzt wird.

Finger – So werden die Zehen des Falken genannt.

Freie Folge – Ein Greifvogel (Habicht, Adler oder Harris Hawk) begleitet den Falkner im Wald und fliegt von Baum zu Baum.



G



Geschüh – Lederriemen an den Ständern des Vogels

Gewölle – Speiballen aus unverdaulichen Futterteilen, wie Federn, Fell, Krallen, Schnabel, die der Vogel hochwürgt und ausspeit.

Grimale – Auch Hunger- oder Stress-Streifen genannt; Lückenhafte Querlinien in der Feder.

Grimmen – Das Kneten vom Greifvogel auf der Beute oder dem Handschuh.

H

Hand – Fuß des Falken

Handschwingen – Die Großfedern (10 Stück) am Handskelett des Flügels

Haube – Eine Kappe aus Leder, die dem Greifvogel oder dem Falken die Augen verdeckt.

Herunternehmen – Man reduziert das Körpergewicht des Vogels.

Hochnehmen – Man erhöht das Hörpergewicht des Vogels.

Horst – Nest

Hosen – Das Gefieder an den Unterschenkeln des Vogels.

Hungermale – siehe Grimale

J und K

Jagdkondition – Körperlicher Zustand des Beizvogels während der Jagdsaison.

Jerkin – Männlicher Gerfalke

Klauen – Krallen

Kleben – Der Vogel klebt am Falkner, das heißt, er entfernt sich nicht von ihm.

Kondition – Die körperliche Verfassung des Beizvogels.

Kropf – Eine sackartige, dehnungsfähige Erweiterung der Speiseröhre beim Vogel, die der schnellen Nahrungsaufnahme sowie dem Einweichen und Speichern von Futter dient. Der Kropf leitet die Verdauung ein, bevor die Nahrung in den Magen gelangt.

Kröpfen – Fressen

Kurzfessel – Ein Riemen (ca. 20 cm) aus Leder, der zwischen Geschüh und Langfessel mit einer Drahle befestigt wird.

L

Lahnen – Lauthals um Futter betteln. Bei jungen Greifvögeln und Falken normal. Bei adulten Vogeln manchmal durch Fremdprägung.

Lange Penn – die 9. und längste Handschwinge bei einem Falken.

Langfessel – Ein langer Riemen aus Leder oder Perlon (ca. 100 cm oder länger), der mittels einer Drahle mit dem Geschüh verbunden ist. Mit ihm sichert man den Vogel an Block, Sprenkel oder Reck.

Lanneret – Ein männlicher Lannerfalke.

Lockemachen – Zähmen des Beizvogels.

Lockschnur – eine lange Schnur, die dem Vogel bei Beireiteübungen zur Sicherung angelegt wird.



M und N

Manteln – Der Vogel deckt die Beute mit Flügeln und Stoß ab, um sie vor Artgenossen oder Menschen zu verstecken.

Mesken – So heißen die vier Daumenfittiche des Flügels.

Nestling – Ein Jungvogel, der noch im Horst (Nest) ist.

P und R


Pennen – So nennt man die Handschwingen (10 Stück) und die Stoßfedern (12 Stück).

Reck – Eine Sitzstange für den Beizvogel (Hohe Reck, weil in Brusthöhe des Falkners)

Recktuch – Das Tuch wird unterhalb der Sitzstange angebracht, damit sich der Vogel aufschwingen kann und sich nicht verwickelt.

Ringholen – Der Falke kreist über dem Falkner, hoch oben in der Luft.

Rotfalke – Ein Falke im Jugendgefieder, vor der ersten Mauser.

Rothabicht – Ein Habicht im Jugendkleid, vor der ersten Mauser. Das Gefieder kann rot-braun sein.

Rundreck – Nennt man auch „Waller-Reck“. Eine Sitzgelegenheit, die kreisförmig ist.

S


Sakret – Ein männlicher Sakerfalke.

Schiften – Reparatur einer stark beschädigten, gebrochenen Feder.

Schlagen – Der Beizvogel ergreift die Beute.

Schmelz – Kot und Urin des Vogels / Ausscheidungen

Schleppe – Eine Beuteattrappe wird mittels einer Schnur über den Boden gezogen, um den Vogel einzujagen.

Schöpfen – So nennt man das Trinken des Vogels.

Schweimen – Das unerwünschte Wegdriften oder Abwandern eines Beizvogels. Der Vogel lässt sich hoch in die Thermik tragen und entzieht sich der Kontrolle des Falkners.

Schwingen – Flügel der Greifvögel oder Falken.

Sprenkel – Sitzstange für Greifvögel, niedrig und bogenförmig.

Sprinz – Der männliche Sperber.

Staart / Stoß – Schwanz des Beizvogels.

Spickband – Mit einem Spickband befestigt man die Atzung auf dem Federspiel.

T

Terzel – Männlicher Falke oder Greifvogel, oft um ein Drittel kleiner als das Weib.

Trosch – Federbusch oder Lederriemchenbüschel auf der Haube. Das dient dem Falkner als Griff, um die Haube aufzusetzen oder abzunehmen, ohne das Leder der Haube zu beschädigen.

Trocken – Die Federn haben ihre volle Länge erreicht, es sind keine Blutkiele mehr zu sehen.

V

Verbinzt – Beschädigte Federn, abgenutzt oder abgebrochen.

Verdrucken – Das Pressen der Atzung vom Kropf in den Magen.

Verhauben – Dem Falken oder Greifvogel die Haube aufsetzen.

Verstoßen – Der Beizvogel geht verloren.

Verwerfen – Ausbrechen der Atzung, der Vogel übergibt sich.

W

Wachshaut – Hautpartie zwischen Schnabel und Kopfgefieder. Darin befinden sich die Nasenlöcher.

Wässern – Einlegen von Fleisch in Wasser, um Nährstoffe zu entziehen.

Weib – Der weibliche Falke oder Greifvogel.