Es war ursprünglich nicht geplant, dass ich an diesem Seminar teilnehme. Eigentlich wollte mein Mensch ohne mich dort sein und lernen, wie man verunfallten wilden Greifvögeln, Falken und Eulen helfen kann, und welche Sofortmaßnahmen es gibt, wenn der eigene Vogel verunglückt.
Aber das Leben verläuft oft nicht nach Plan. An diesem Morgen bemerkte mein Mensch, dass ich eine Zecke am Auge habe. Unglücklicherweise war sie alleine und hatte niemanden, der mich festhalten konnte, während sie die Zecke heraus macht. Sie musste beides machen, mich festhalten und die Zecke entfernen. Das gestaltete sich schwierig, weil ich mich heftig wehrte und zappelte. Letztendlich hat mein Mensch es geschafft.
Sie sagt, es sei wichtig, eine Zecke so schnell wie möglich zu entfernen, bevor dieses blöde Ding eine Krankheit übertragen kann.
Nach unserer Aktion waren wir beide ziemlich geschafft und ich war zusätzlich noch sauer und schlecht gelaunt. Mein Mensch wollte mich an diesem Tag nicht unbeobachtet lassen, um zu sehen, ob es mir gut geht oder ob doch noch Nachwirkungen kommen. Darum nahm sie mich kurzerhand mit zu dem Seminar.

Den ersten Teil des Kurses haben wir leider verpasst, da ging es um Artenkunde.
Als wir ankamen, begann gerade Teil 2 des Seminars: Erste Hilfe und Sofortmaßnahmen.
Die Dozentin Sandra Hildebrandt erklärte, was alles passieren und wie man darauf reagieren kann, was man als Laie tun kann und wann man unverzüglich mit seinem Vogel zum Tierarzt muss.

Dann wurde ein Freiwilliger gesucht, um zu demonstrieren, wie man einen verletzten Greifvogel oder Falken einfangen kann. Ich wollte mich nicht zur Verfügung stellen, also wurde das Vorgehen mit Hilfe eines Stoffadlers gezeigt. 😉



Man nimmt ein großes Handtuch, eine Decke oder eine Jacke und sichert damit den Vogel. So vermeidet man, dass man dabei selbst verletzt wird. Für den Transport zu einer Greifvogelstation oder Tierklinik eignet sich am besten ein Karton mit Luftlöchern. Im Dunkeln beruhigen sich die Tiere.
Während einer kleinen Pause bemerkte ich, wie schön die Umgebung war. Das Seminargebäude befindet sich an einem kleinen idyllischen See. Ich ließ mein Gefieder vom Wind durchpusten, und schon war meine Laune besser. Ich ließ meine Wut über die Zecken-Aktion wegblasen.


Nach der Pause lernten wir, wie hoch der Puls und die Körpertemperatur eines Greifvogels sind, wie man Wunden versorgt, was genau ein Luftsackriss ist, wie sich Vergiftungen auf den Vogel auswirken, was bei einem Anflugtrauma zu beachten ist, wie man Blutungen stillt und vieles Wichtige mehr.
Nach all den Informationen und Bildern über Unfallmöglichkeiten kann ich nur hoffen, dass ich niemals einen Unfall haben werde. Auch wenn mein Mensch mich bestimmt gut versorgen könnte, nachdem sie alles Wichtige bei dem Kurs gelernt hat.
Danke an den VDF Baden-Württemberg e.V., Verband Deutscher Falkner, über den wir diese Fortbildung buchen konnten.
Danke an Elizabeth Hejl für die tolle Organisation.
Danke an Sandra Hildebrandt für den kurzweiligen und interessanten Kurs.
Verletzte und kranke wilde Greifvögel, Falken und Eulen können beim Greifvogelzentrum Falconis Filstal in Albershausen gemeldet werden. In fast jeder Region in Deutschland gibt es Greifvogel Auffangstationen oder Falknereien, die helfen können. Diese leisten alles ehrenamtlich und freuen sich über Spenden.

