Jeder Falkner ist im Grunde erst einmal ein Jäger. Darum ist es ja auch nach dem Jagdschein der FalknerJAGDschein, den man bestehen muss, um Falkner zu werden. Nicht die Schaufalknerei ist UNESCO Kulturerbe, sondern die Beizjagd, die Jagd mit dem Greifvogel auf Wild.
Jeder Falknerverband lädt jedes Jahr zu einer gemeinschaftlichen Beizjagd ein. Das ist eine gute Gelegenheit, als Gast mit dabei zu sein, wenn man selbst keinen geeigneten Greifvogel für die Beizjagd hat.
Mein Mensch war Anfang Januar bei der ODF Landesbeizjagd in Bad Rappenau.
(ODF = Orden Deutscher Falkoniere)
Ich selbst war nicht mit dabei. Zum einen bin ich keine ausgebildete Krähenjägerin, zum anderen hätten die Reviere landschaftlich nicht für mich gepaßt. Es waren auch sonst keine Falken am Start.
Für Falken sind andere Reviere erforderlich als für Habichte oder für Wüstenbussarde. Die beiden letztgenannten sind Kurzstreckenjäger. Falken benötigen weitaus mehr Platz für ihren Flug und Angriff.
Mein Mensch hat mir von dem Beizjagdtag erzählt und anhand der Fotos konnte ich mir den Rest erschließen.
Das Wetter war perfekt: ein kalter und sonniger Januartag.
Mit dabei waren sieben Beizvögel: drei Habichte, darunter ein Rothabicht, drei Wüstenbussarde und ein Rotschwanzbussard.
(Rothabicht = ein junger Habicht im ersten Lebensjahr, der wegen seines rötlichen (Jugend-)Gefieders so genannt wird.)


Gejagt wurde an dem Tag ausschließlich auf Krähen. Die Krähenbeizjagd übt man aus dem Auto heraus aus. Das bedeutet, der Falkner fährt durch verschiedene Reviere, auf der Suche nach Krähen. Sieht er welche auf einem Feld sitzen, dann öffnet er während der Fahrt sein Fenster und der Beizvogel startet seinen Überraschungsangriff durch das offene Autofenster. Der Abstand zu den Krähen darf nicht zu gering sein, sonst hat der Greifvogel womöglich zuwenig Schwung, aber er darf auch nicht zu weit sein, sonst können die Krähen wegfliegen, bevor der Greifvogel sie erreicht.
Der Greifvogel entscheidet stets selbst, ob er einen Angriff zu Ende bringt, oder ob er den Angriff abbricht und sich auf einem nahe gelegenen Baum niederläßt, um sich von seinem Falkner einholen zu lassen. Und selbst, wenn der Greifvogel die Krähe angreift, ist es nicht gesagt, dass er erfolgreich ist, denn die Krähe hat die Chance, zu entkommen.
So war es auch an diesem Beizjagdtag.
Eine Beizjagd war erfolgreich, wenn alle Beizvögel am Ende des Tages unverletzt geblieben sind.
Und trotzdem freut man sich über eine Strecke, wenn die Beizvögel Jagderfolg hatten. An diesem Tag lagen neun Krähen und eine Elster.
Mein Mensch sagt, es sei für Nichtfalkner kaum vorstellbar, welch eine Spannung im Auto herrscht, wenn der Greifvogel aus dem Fenster startet. Jeder fiebert mit, beobachtet genau und beglückwünscht Falkner und Beizvogel bei einem Jagderfolg.
Wenn der Greifvogel eine Krähe bindet, dann rennt der Falkner schnell hin, um zu helfen. Das bedeutet, die Krähe schnell und schmerzfrei zu erlösen. Dieses Eingreifen hat zwei Gründe: Zum einen soll die Krähe nicht leiden müssen, darum wird sie schnell erlöst. Überläßt man das Töten alleine dem Greifvogel, kann es etwas länger dauern und das muss nicht sein. Zum anderen möchte man vermeiden, dass die Krähe den Beizvogel mit ihrem spitzen Schnabel verletzt.

Die Jagdkönigin des Tages hatte mit ihrem Harris Hawk (Wüstenbussard) zwei Krähen und eine Elster gebeizt. Ein dreifaches Falknersheil!
Bei einem gemeinsamen Abendessen wurden die Erlebnisse des Tages rekapituliert. Die Beizvögel konnten währenddessen ihren verdienten Erholungsschlaf genießen.
Es ist schön, die Falknerei zusammen mit lieben Menschen zu erleben, sich auszutauschen, immer dazu zu lernen und Erfolge und Freude ohne Neid teilen zu können, sagt mein Mensch.
Ob ich auch mal Krähen jagen möchte?
Mir genügt mein Federspiel, meine Beuteattrappe. Das ist weniger gefährlich, weil es keinen spitzen Schnabel hat, ich habe am Ende immer einen Jagderfolg und wir können ins Revier laufen und müssen nicht auf Krähensuche lange durch viele Reviere fahren. So komme ich schneller an meine Atzung. 😉
(Atzung = Futter)

