Im letzten Beitrag habe ich über eine Fortbildung bei der SkyWings Akademie berichtet, bei der mein Mensch und ich waren. Dort lernten wir einiges über Vergiftungen.
Um das Thema zu vertiefen, arbeiteten wir uns durch das Buch „Tierschutz für Greifvögel“ von T. Richter/S. Hartmann/L. Fischer/D. Fischer.

Es gibt zwei Arten, wie ein Falke Gift aufnehmen kann. Zum einen über die Nahrung, zum anderen über die Atemluft.
Der Falke in der Natur steht am oberen Ende der Nahrungskette. Frisst beispielsweise eine Maus Gift, das ausgelegt wurde, um Nagetiere zu töten, dann landet dieses Gift letztendlich im Falken, wenn er diese Maus erbeutet und verspeist. Solche Gifte nennt man übrigens Rodentizide (chemische Präparate zur Bekämpfung von Nagetieren).
Wir durften bei der Fortbildung einen kurzen Film anschauen, bei dem gezeigt wurde, wie ein Turmfalke leiden muss, der wie oben beschrieben vergiftet wurde. Das war wahrlich kein schönes Bild. Er hatte schmerzhafte Krämpfe und neurologische Ausfälle. Ich kann nur erahnen, was für Qualen er erleiden musste.
🙁
Ein großes Thema ist auch die Bleivergiftung. Das kann sowohl einem wilden Greifvogel oder Falken passieren, als auch einem in Menschenhand. Geschossrückstände von bleihaltiger Munition in erlegtem Wild und die Fütterung mit diesem Fleisch können einen Vogel vergiften. Das kann zu Symptomen führen wie Blutungen, Schwäche, Muskellähmungen, Kopfverdrehen, Krämpfen, Sehstörungen, Blindheit und vielem mehr.

Leider werden nicht nur Nagetiere gezielt vergiftet, sondern auch oft Greif- und Rabenvögel, indem mit Gift präparierte Köder ausgelegt werden. Viele Vögel sterben schnell, aber durchaus qualvoll. Je nach Menge des aufgenommenen Giftes können Symptome gezeigt werden wie blaue Schleimhäute (durch Sauerstoffmangel), Erbrechen, Zittern, Lähmungen, Krämpfe, enge Pupillen, Atemnot, Apathie etc.
Sollte bei einem Falken oder einem Greifvogel der Verdacht auf eine Vergiftung bestehen, durch was auch immer, dann beginnt der Wettlauf gegen die Zeit. Das Tier sollte SOFORT zu einem Tierarzt gebracht werden.
Eine Kropfspülung kann dabei helfen, Gift aus dem Kropf zu entfernen, es muss eine Medikament verabreicht werden, das die Wirkung des Giftes abschwächt, und eine Infusion kann dabei helfen, die Giftstoffe auszuschwemmen. Manche Vögel können gerettet werden, andere sterben trotz schneller Hilfe.

Vögel sind sehr anfällig und empfindlich, was Atemgifte anbelangt.
Diese können in Holzschutzfarben, in Desinfektionsmitteln und in vielem mehr enthalten sein.
Beim Einatmen von Brandrauch verspürt der Mensch ein Kratzen im Hals, den Vogel kann das Einatmen des Rauches sein Leben kosten.
Am besten, man hält den Vogel so weit wie nur möglich entfernt von Gefahrenquellen!
Und dass man einem Falken keinen Zigaretten- oder Zigarrenrauch ins Gesicht bläst, das sollte wohl selbstverständlich sein.
Im oben erwähnten Buch sind ein paar Fälle beschrieben, wie Falkner ihren Vogel durch Unwissenheit oder Leichtsinn verloren haben. Beispielsweise sollte man einen Vogel nicht im Auto lassen, wenn dieses wegen einer Panne in die Werkstatt muss. Der beschriebene Vogel verstarb in seiner Transportbox, weil er stundenlang Autoabgasen aus der Werkstatt und Dämpfen aus einer Lackiererei ausgesetzt war.
Man sollte seinen Falken nicht mit Anti-Parasiten-Mitteln einsprühen, ohne zuvor mit einem Tierarzt über das Präparat und die Dosierung gesprochen zu haben.
Und man sollte die Voliere nicht mit Holzschutzfarbe streichen, und den Greifvogel gleich danach den Atemgiften aussetzen. Lieber den Vogel in Sicherheit bringen und die Voliere lange und gut auslüften lassen.

Und als letztes möchte ich davor warnen, den eigenen Vogel mit Medikamenten zu behandeln, die eigentlich für Menschen oder für Hunde oder Katzen bestimmt sind. Es sei denn, ein vogelkundiger Tierarzt hat dieses Medikament verordnet.
Bitte immer an die vorgeschriebene Dosierung halten! Überdosierung kann zum Tod führen.

