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Gastbeitrag von Bjoern / Leons erstes Gewölle


Natürlich informiert man sich als Halter über die Bedürfnisse eines Tieres, bevor man es zu sich holt.
Viele werden es nicht glauben, aber in ferner Vergangenheit gab es kein Internet, keine Foren, kein Google. Man musste telefonieren oder in Büchern nachlesen, wenn man etwas wissen wollte.

In der entsprechenden Literatur stand damals zu lesen, wie die Fütterung eines jungen Uhus in den ersten Tagen erfolgen muss.
Wie die Altvögel es auch tun, füttert man zunächst fast nur Muskelfleisch. Langsam gibt man dann immer mehr feste Bestandteile dazu, also Knochen, Haut und Federn, natürlich in schnabelgerechten Happen.
Viele Vogelarten (nicht nur Eulen, Falken oder Greifvögel) machen ein sogenanntes Gewölle, selbst Amseln können das.
Unverdauliche Nahrungsbestandteile formen sich zu einem meist etwas länglichen Ballen, der durch den Hals hochgewürgt und dann mit Kopfschlenkern herausgeworfen wird.
Für den Vogel ist das normal, es kann mehr oder weniger mühevoll sein, je nachdem, was vorher vertilgt wurde.
Eine kleine Auswahl an Gewöllen verschiedener Eulenarten und Beutetieren seht ihr hier.

Ein kleiner Uhu wächst rasend schnell, nach ca. 8 Tagen beginnt man gewöllebildende Dinge zu füttern, mit 3 Wochen vertilgen die kleinen Vielfraße ohnehin Futterküken, ohne lange zu fackeln in einem Happen.
Und so nach der zweiten Woche hofft der unbedarfte Ersthalter, dass er irgendwann ein Gewölle zu Gesicht bekommt.
Leon wusste das nicht, nach 2 Wochen immer noch kein Gewölle, fehlt ihm was?
Also wieder ans Telefon, Züchter und Tierärzte angerufen – die allgemeine Ansicht war, ja, nach 3 Wochen darf man schon mal ungeduldig werden.

Ein paar Tage später habe ich es nicht mehr ausgehalten, Leon ins Auto gepackt, der nächste Vogelspezialist ist eine Stunde Fahrzeit entfernt. Und an Autofahrten muss sich Klein-Leon ohnehin gewöhnen.
Beim Tierarzt angekommen gings für Leon erst mal auf die Waage, da saß er ganz brav und zufrieden, was mir kurz Gelegenheit gab, sein Problem mit dem Arzt zu besprechen.
Der dreht sich mit den Worten: „Dann wollen wir uns das mal ansehen …“ wieder um zu Leon, der nach wie vor auf der Waage sitzt, als könnte er kein Wässerchen trüben. Und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, dass neben ihm ein perfektes Uhugewölle liegt.

Leon war unser erster Uhu, ihm folgten noch einige nach. Aber nun wissen wir – wenn es nicht schnell genug geht mit dem ersten Gewölle, dann brauchts keinen Tierarzt. Eine kleine Spritztour mit dem Auto genügt, um Tier und Halter zu erleichtern.
Und inzwischen weiß ich, dass kleine Uhus noch sehr starke Magensäure haben, die auch Knochen auflösen kann. Im Laufe der ersten Wochen wird die Säure schwächer, erst dann bildet sich das erste Gewölle. Mal früher, mal später. Kein Grund zur Panik!


Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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2 Kommentare

  1. Frage: ist das ein elternlos aufgefundenes Küken, oder wieso hat man so einen Winzling in seiner Obhut?

    1. Eine sehr berechtigte Frage, auf die es eine kurze und eine sehr lange Antwort gibt.

      Zuerst die kurze: Leon kam von einem Züchter, hatte also Eltern und wurde aus seinem Nest entnommen.

      Die lange Antwort impliziert die eigentliche Frage: Ist die Handaufzucht (und eigentlich die gesamte Haltung in Gefangenschaft) tierethisch zu vertreten?
      Der Grund für eine Handaufzucht eines Eulenkükens (und hier ist jetzt nicht von den elternlos aufgefundenen die Rede) ist meistens, einen sehr zahmen und zutraulichen Vogel zu haben, der keinerlei Scheu vor Menschen und ihrem Umfeld (z.B. Hunde, Autos usw.) hat.
      Das kann von Vorteil sein, wenn man den Vogel der Öffentlichkeit präsentieren will. Dann bleibt das Tier auch dann gelassen, wenn ein Wildtier schon lange das Weite gesucht hätte.
      Mein persönlicher Grund war egoistischer, ich habe mich einfach in die Tierart Uhu verliebt. Ich habe mich in das Abenteuer Handaufzucht gestürzt, weil ich schon eine Menge Erfahrung mit anderen Vogelarten gesammelt hatte.

      Hat es Leon geschadet? Er hat zwar auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch eine enge Bindung zu mir, aber er hat einen weiblichen Partner, ein ganz normales Liebesleben und inzwischen eine gut zweistellige Anzahl an Nachkommen.
      Er wurde so aufgezogen, dass er kein Problem hätte, in der freien Natur zu überleben, er kann jagen und ist draußen gegenüber Menschen sehr misstrauisch.

      Was die Haltung in Gefangenschaft anbelangt, da ergeben sich Vorteile und Nachteile.
      Der Vogel ist ohne Frage in seinem Bewegungsradius eingeschränkt, er kann sich seinen Partner nicht selbstständig suchen und der Interaktion mit seiner Umwelt sind Grenzen gesetzt.
      Dagegen steht eine regelmäßige, ununterbrochene Versorgung mit Futter, Sicherheit gegen Feinde und Umweltgefahren und medizinische Versorgung im Fall von Krankheiten oder Verletzungen.

      Leider muss man sich hüten, diese Antwort zu pauschalisieren, sie trifft auf Uhus und einige andere Eulenarten zu, aber z. B. bei Rabenvögeln sieht es möglicherweise ganz anders aus.

      Zudem sollte man sich bei Handaufzuchten immer gut überlegen, ob man die Verantwortung für das Tier über dessen gesamte Lebenszeit (und das können im Fall eines Uhus schon mehr als 30 Jahre werden) übernehmen kann. Das geht nicht in jungen Jahren, wenn Ausbildung, Partnerwahl, Wohnsitz usw. noch nicht gefestigt sind.

      Mit besten Grüßen,
      Bjoern

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