Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, dass man sich für eins von beiden entscheiden muss, dass es getrennte Lager sind, die nichts miteinander zu tun haben wollen. Das ist zum Glück nicht (immer) der Fall.


Es gibt zwar Falkner, die mit ihren Vögeln auf Beizjagd gehen, und die die „Schaufalknerei“ nicht mögen und nicht gut heißen, aber immer mehr Jagdfalkner erkennen, dass wir die Öffentlichkeitsarbeit in der Falknerei brauchen, um einerseits Nachwuchs zu finden, und andererseits Achtung und Rückhalt der Gesellschaft zu gewinnen, was immer wichtiger wird in einer Zeit des Flächenfraßes. *
* Flächenfraß: Natürliche Flächen werden versiegelt und verbaut. Das hat den Verlust an natürlichen Funktionen zur Folge: weniger fruchtbarer Boden, weniger Lebensraum für Pflanzen und Tiere und damit weniger Artenvielfalt.
Für uns Falkner bedeutet das: weniger Reviere für die Beizjagd, weniger jagdbares Wild, mehr Gefahr für den Beizvogel.

Die Falknerei ist durch die UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Damit ist die Beizjagd gemeint, die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln auf freilebendes Wild in seinem natürlichen Lebensraum.
Genau genommen kann also eine reine „Schaufalknerei“, die Flugvorführungen vor Publikum veranstaltet, nicht darauf verweisen, dass dies UNESCO Kulturerbe sei.
Ein Falkner ist in erster Linie immer ein Jäger, denn der Jagdschein ist in Deutschland die Grundlage für den Falknerjagdschein.
Die „Schaufalknereien“ sind aber wichtig, um das Thema Falknerei einem breiten Publikum zu präsentieren. Falken und Greifvögel fliegen zu sehen, fasziniert Groß und Klein. Es ist nicht jedermanns Sache, Zuschauer bei einer Beizjagd zu sein, bei dem der Vogel seine Beute tötet und verspeist. Das macht er zwar auch ständig in der Natur, das ist sein Leben und Überleben, aber der moderne Mensch ist nicht mehr so nahe an der Natur wie früher einmal. Im Gegenteil, man liest und hört und spürt oft, wie sehr sich die Menschen von der Natur entfernt haben.
Und genau darum ist es die Aufgabe der Falkner, das behutsam zu ändern, weil sie es können, weil jeder, der mit einem Falken oder Greifvogel zusammenlebt und mit diesem als Team arbeitet und jagt, anderen Menschen davon berichten kann, sie mitnehmen kann, sie mit ihrer Faszination anstecken kann.

Die „Schaufalknerei“ und die Öffentlichkeitsarbeit sind wichtig, damit die Beizjagd auch in Zukunft ausgeübt werden kann, damit Kinder und Jugendliche es für sich entdecken können, damit es von der Bevölkerung respektiert wird.
Es ist also nicht „versus“, wie in der Überschrift geschrieben, sondern wir ziehen alle an einem Strang.
Mein Mensch sagt immer, sie möchte mir die Jagd anbieten und ermöglichen, weil sie das unter artgerechter Haltung eines Falken versteht. Ob ich dann tatsächlich jage, das ist meine Entscheidung. Um für die Jagd fit zu sein, trainiere ich mit dem Federspiel, einem Beute-Dummy.
Öffentlichkeitsarbeit machen wir auf unterschiedliche Art und Weise. Wir besuchen Schulklassen, wir bieten private Falkenstunden an und wir sind manchmal zu Gast auf Veranstaltungen. Die Häufigkeit richtet sich nach mir. Es darf Spaß machen, aber keinen Stress bereiten.

Wir sollten in der Falknerei, und auch im sonstigen Leben, nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander. Mein Mensch sagt immer: „Leben und leben lassen.“
Nun, ich als Falke kann das so nicht sagen. Es liegt in meiner Natur, meine Beute zu töten, das sichert mein Überleben. Also würde ich sagen: Töten und töten lassen.
Das darf ich aber so nicht sagen, entgegnet mein Mensch, das klingt zu hart.
Ich sagte es bereits: Die Menschen sind der Natur heutzutage sehr fern. In der Natur überlebt der Stärkere, der Schnellere und der am besten angepasst ist.
Oder der, wie ich einen Menschen gefunden hat, der sein Überleben sichert, indem er ihm das Futter herbeischafft. 😉



Vielen Dank für die ausführlichen Informationen und die schönen Bilder. Ich war demletzt bei einer Schaufalknerei bei einer Flugschau. Das hat mir sehr gefallen…aber ich glaube es ist noch schöner und faszinierender eine freie Beizjagd eines Falken zu sehen.
Wenn Du bei einer Beizjagd dabei sein möchtest, dann schreibe mir eine Email. Ich schicke Dir dann Informationen, wo das möglich ist.