Dirk Harders ~ 6 ~ Stress und Preise

Dirk, wie definiert sich Stress für einen Greifvogel?

Stressfaktoren sind: Operationen, Wunden, Angst, Schmerzen, lange Transporte, schlechte Belüftung, unbekannte Umgebung, ungewohnte Anblicke, laute Umgebungsgeräusche, unzureichende Bewegungsfreiheit, Zwangsmaßnahmen, starke Temperaturschwankungen, Klimawechsel, fehlende gewohnte Nahrung, fehlende Sozialkontakte. Lange einwirkender Stress ist gesundheitsschädlich!
Jede Form von Stress führt zu einer Alarmreaktion, die von einem artspezifischen Alarmverhalten begleitet wird. Greifvögel können ihr Verhalten unter Stress nicht rational steuern. Ihr vorherrschendes Verhalten ist die Flucht. Massiv einwirkender Stress kann zu Schockzuständen und innerhalb von Minuten zum Tod führen. Unter einer perfekt passenden Haube befindet sich der Greifvogel in einer entspannten und stressfreien Ruhe. Wichtig ist eine gute Passform der Haube. Dann hat man schon sehr viel gewonnen, und es erleichtert einem die Arbeit mit dem Greifvogel ungemein.


Eine Kundera Haube der Gr. 5,5 passt diesem Sakret perfekt

Dirk, wie ist die Preisentwicklung beim Verkauf der Jungfalken? Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern?

In Europa ist die Preisentwicklung innerhalb der letzten 10 Jahren für einige Arten deutlich rückläufig gewesen. Besondere Qualität oder aber Vögel von namenhaften Züchtern erzielen allerdings auch heute noch Preise, die deutlich über dem Durchschnitt liegen.

Im Jahr 1983 hatte ein Bekannter seinen eingeflogenen Steinadler mit 5 Monaten Halbwildflug für 27.000 DM nach England verkauft. Zu diesem Zeitpunkt wurden weltweit erst wenige Steinadler nachgezogen. Heute, fast 40 Jahre später, ist die Situation auch für diese Adlerart eine völlig andere geworden. Der Greifvogelmarkt wird mit Nachzuchten aller Art regelrecht überschwemmt. Wenn man sich als Züchter über die Jahre keinen guten Namen erarbeitet hat, dann wird es ganz schwierig werden. Ich möchte nicht tauschen! Rein kommerzielle Züchter sehen zu, dass sie ihre Vögel „en bloc“ abgeben können. Kunden für so hohe Stückzahlen finden sich ausschließlich im arabischen Raum.

In den 1980er Jahren wurde in der Regenbogenpresse des öfteren über die Araber und ihren ungeheuren Reichtum berichtet. Falken und die erzielten Preise spielten dabei fast immer eine Rolle. Eine Berichterstattung aus dieser Zeit ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Die Einleitung zu diesem Bericht begann mit dem Text, der an ein bekanntes Kinderlied erinnert:“Kommt ein Vogel geflogen….ein Falke, so teuer wie ein Sportflugzeug.“
Naturentnahmen wurden per Gesetz verboten, und die Zucht von Greifvögel, vornehmlich Falken, steckte noch in den Kinderschuhen. Dieser Umstand ließ die Preise umgehend in die Höhe schnellen. Für jeden gesunden Falken wurden laut einem Pressebericht 75.000 Euro gezahlt. Besondere Exemplare wechselten schon mal für 100.000 Euro den Besitzer.

In der Golfregion spielten die Gerfalken zu diesem Zeitpunkt kaum eine Rolle. Sie wurden für 5.000 Dollar per Stück gehandelt. Diese Situation änderte sich aber schlagartig, nachdem ein deutscher Gerfalkenzüchter eine Einladung zur Beizjagd vom damaligen König Khalid (1975-1982) erhielt. Egon M. hatte seinen besten Gerfalken dabei. Entgegen aller Traditionen erlaubte König Khalid einem Nichtbeduinen seinen Falken auf die 1. Houbara zu fliegen. Als die Houbara aufflog wollte Egon M. seinen Gerfalken anjagen lassen. Leider hatte er dabei vergessen, die Scheibe von seinem Range Rover weit genug herunter zu lassen. Der Gerfalke touchierte die Scheibe und musste sich danach neu orientieren. Während dessen hatte ein Falkner des Königs schon den besten Sakerfalken frei gegeben. Erst als sich dieser Verfolgungsflug schon ein Stück weit entfernt hatte, begann der Gerfalke nachzusetzen. Die Jagd geriet dabei schnell außer Sicht. Als man die Vögel schließlich wiederfand, hielt der Gerfalke den getöteten Sakerfalken des Königs in der linken und die abgenickte Houbara in der rechten Hand. Von da an war klar, dass ein Gerfalke der bessere Falke für die Jagd auf die Houbara sei. Diese Nachricht eilte von Camp zu Camp, und der Preis stieg von ein paar tausend Doller sprunghaft auf 50.000 Dollar pro Vogel an.

In den 1980er Jahren gab es gezüchtete Gerfalken ausschließlich vom FALCON CENTER aus Helvesiek/Niedersachsen. Zu diesem Zeitpunkt wurden ca. 180 Gerfalken im Bestand gehalten. Ein deutscher Kunde hatte damals 27.000 DM für seinen Falken bezahlt. Im Kaufvertrag musste sich jeder Käufer verpflichten, nicht mit diesem Falken zu züchten, damit die Monopolstellung für diese Großfalken erhalten blieb.

Die ersten Gerfalken wurden bereits 1963 in Helvesiek gehalten. 10 Jahre später gelang dann die weltweit erste Nachzucht von Gerfalken unter Haltungsbedingungen.

Veröffentlicht von Ronjas Mensch

Falknerei ist kein Hobby, es ist Leidenschaft. - Ronja meint: "Falknerei ist die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. " ;-)

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