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Unser Besuch im Greifvogelzentrum Falconis Filstal e.V.

Mein Mensch hat mir erzählt, dass es Leute gibt, die sich um verunfallte Falken und Greifvögel kümmern. Das finde ich super! An diesem Tag durfte ich eine davon kennenlernen: Sandra Hildebrandt vom Greifvogelzentrum Falconis Filstal e.V.

Die zwei Mädels saßen bei Kaffee und Kuchen zusammen und plauderten über interessante Dinge, während ich auf dem Tisch direkt daneben stehen und lauschen durfte.

Normalerweise interessiere ich mich nicht für die Gesprächsinhalte der Menschen, aber in diesem Fall hörte ich interessiert zu.
Sandra erzählte, dass sie früher bei der Tierrettung gearbeitet hat, und mit ihrem Verein, der im Februar 2021 gegründet wurde, eine Lücke schließen möchte, denn in ihrer Region gab es bisher niemanden, der sich professionell um verunfallte und kranke Greifvögel gekümmert hat.
In Zusammenarbeit mit einer vogelkundlichen Tierarztpraxis pflegt Sandra Greifvögel, Falken und Eulen wieder gesund, die entweder einen Unfall hatten, beispielsweise einen Zusammenstoß mit einem Fahrzeug oder mit einer Fensterfront, die krank sind, übermäßig von Parasiten befallen, die am Verhungern sind, oder Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, und die man nicht mehr zurück ins Nest setzen kann.

Das Schwierige an der ganzen Sache ist das Halten des Vogels und der Umgang mit ihm, die Futtergabe bei schwachen Tieren und die medizinische Einschätzung. Da hilft Sandra ihre jahrelange Erfahrung, und dass sie selbst Falknerin ist.
Wenn man ein Tier nicht mehr retten kann, weil die Verletzungen zu schwer sind, oder die Krankheit unheilbar ist, dann wird das Tier erlöst, und Sandra ist immer bis zum Schluss dabei, auch wenn es im Herzen sehr weh tut.

Was mir gut gefällt: Sandra betont immer wieder, dass Wildtiere keine Haustiere sind, und darum auch der Umgang mit ihnen ein ganz anderer ist.
Aus diesem Grund ist es wichtig, Wildtiere in professionelle Hände zu geben, und sie nicht in Zusammenarbeit mit Dr. Google (Tipps aus dem Internet) selbst heilen zu wollen.
Ziel ist immer die Wiederauswilderung!

Sie sagt, es macht keinen Sinn, Vögel einzusammeln und mitzunehmen, die gar keine Hilfe brauchen! Es gibt eine Zeit, in der die Vögel flügge werden, aber vielleicht noch nicht so gut fliegen können und am Boden sitzen. Normalerweise sind die Eltern in der Nähe und versorgen das Junge, bis es selbstständig fliegen und jagen kann. Bevor man einen Jungvogel mitnimmt, sollte man die ganze Sache erst einmal beobachten. Nur wenn der Jungvogel verletzt ist, oder sich kein Elternvogel um ihn kümmert, dann sollte man bei einer Auffangstation anrufen und sich über die weitere Vorgehensweise beraten lassen.

Während wir dort waren, kamen zwei Anrufe für das Greifvogelzentrum. Bei dem einen handelte es sich um einen Singvogel, darum hat Sandra den Anrufer an die Wildvogelhilfe weiter vermittelt. Bei dem anderen handelte es sich um einen Mäusebussard, der anscheinend nicht mehr fliegen konnte, aber zu Fuß flüchtig war. Sandra bat die Anruferin, den Vogel mit Hilfe einer Jacke oder Decke einzufangen und sich dann wieder zu melden.
Sie erklärte uns, dass es keinen Sinn machen würde, viele Kilometer weit zu fahren, um Wiesen und Wälder abzusuchen. Das verstehe ich absolut.

Wenn Menschen einen hilfsbedürftigen Falken oder Greifvogel finden, dann ist es am besten, ihn mithilfe einer Jacke oder einer Decke vorsichtig zu greifen, und falls möglich, ihn in einem Karton zwischenzulagern. Wenn es dunkel ist, beruhigen sich die Tiere. Falls kein Karton vorhanden ist, kann man auch eine Jacke oder Decke vorsichtig über den Kopf des Tieres legen, dann ist es für das Tier auch dunkel.

Keinesfalls Wasser oder Essen verabreichen! Schlimmstenfalls kann der Vogel nicht richtig schlucken und dann gelangt das Ganze in die Lunge. Oder er kann es im Schock nicht verdauen. Entzündungen im Darm können die Folge sein, auch durch unpassendes Futter.
Am besten sofort im Greifvogelzentrum anrufen und über die weitere Verfahrensweise sprechen.
In fast jeder Region gibt es Anlaufstellen. Am besten, ihr sucht die Telefonnummer für die in eurer Region und speichert diese in eurem Handy ein.

Falls ihr helfen wollt:
Herzlich Willkommen sind Spenden. Geld wird für Futter und Medikamente benötigt, auch für den Volierenbau, für die Kranken- und die Quarantänestation.
Sachspenden, wie beispielsweise alte Handtücher oder Einwegunterlagen, nach Absprache. Es gibt auch eine Amazon-Wunschliste.
Helfende Hände für handwerkliche Herausforderungen oder für Fahrten zum Tierarzt sind auch willkommen.

Wichtig: Das Greifvogelzentrum Falconis Filstal e.V. ist keine Falknerei! Da gibt es für Interessierte nichts zu sehen. Die Vögel, die gerade in Behandlung sind oder kurz vor der Wiederauswilderung stehen, haben Angst vor Menschen. Das sind Wildtiere, die es nicht gewohnt sind, dass Menschen sich nähern. Bitte lasst das Team in Ruhe ihre Arbeit machen, die sie mit viel Herzblut und Sachverstand meistern.

Wir durften uns noch kurz die Krankenstation anschauen, und ganz vorsichtig einen Sperber in einer Voliere, der kurz vor der Wiederauswilderung steht, nachdem lange nicht klar war, ob er wieder gesund werden kann. Aber er hat es geschafft.

All die Zeit, die Sandra für die Falken, Greifvögel und Eulen opfert, schenkt sie ehrenamtlich. Dafür und für vieles mehr verdient sie meinen Respekt und meine Dankbarkeit, stellvertretend für alle Tiere, die dank ihr wieder in die Natur entlassen werden konnten.



Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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1 Kommentar

  1. Caro sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag von Smilla. Ich wusste nicht, dass es in Göppingen so ein Greifvogelzentrum gibt.

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