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Gefahren und Risiken in der Falknerei

Ein befreundeter Falkner hat zu meinem Menschen gesagt, dass man als Falkner die schönsten und schlimmsten Dinge erleben kann. Die Falknerei kann Himmel und Hölle sein.
Die Schönsten sind die, wenn du mit deinem Falken als Team auf die Jagd gehen kannst, wenn du siehst, wie er frei fliegt, wie er lernt, den Wind für sich zu nutzen, wie er Beute macht, wie er freiwillig zu dir zurück kommt, obwohl er problemlos wegfliegen könnte.
Die Schlimmsten sind die, wenn das Leben deines Falken ein unerwartetes und jähes Ende findet. Das kann dir dein Herz brechen.

Was kann passieren, wenn der Vogel frei fliegt?
– Er kann gegen eine Scheibe an einem Gebäude knallen und sich das Genick brechen.
– Er kann auf Stromleitungen landen und, sobald er zwei Leitungen berührt, einen tödlichen Stromschlag bekommen.
– Er kann über eine Straße fliegen und von einem Fahrzeug erfasst werden.
– Er kann illegal erschossen oder vergiftet werden.
– Andere Greifvögel können ihn angreifen und töten, wenn er in deren Revier fliegt.
– Er kann sich mit einer Krankheit anstecken, beispielsweise mit der Vogelgrippe.

Diese Gefahren, und noch einige mehr, lauern in der Natur. Das kann einem Falken passieren, der zu einem Menschen gehört, aber auch jedem Falken und Greifvogel, der in der Natur lebt.
Das Leben ist lebensgefährlich.

In der Natur kommt hinzu, dass viele Vögel schlichtweg verhungern müssen. Sobald sie ein paar Tage keine Beute machen können, sind sie irgendwann zu schwach, um zu jagen, besonders in kalten und schneereichen Wintern.
Manche Vögel sind voller Parasiten, wie Würmer oder Zecken. In Menschenhand würden sie Hilfe bekommen, in der Natur nicht.

Wie kann man als Falkner solche Risiken vermeiden oder minimieren?
Mein Mensch würde darauf antworten: „Gar nicht.“
Und damit hat sie Recht. Man kann solche Gefahren vermeiden, indem man seinen Vogel nicht frei fliegen lässt und ihn ausschließlich in der Voliere hält.

Ich kann euch aber sagen, dass mir die Freiheit und der freie Flug die Risiken wert sind. Mein Mensch trainiert mich weder direkt neben einer Straße oder hohen Gebäuden noch unter Stromleitungen. Aber falls ich während des Trainings einen unabgesprochenen Ausflug unternehme, und mein Mensch mich suchen muss, kann mir jede dieser Gefahren begegnen.

Mein Mensch sagt, sie passt so gut es geht auf mich auf. Wir sollten aber jeden Tag genießen, denn wir wissen nicht, ob wir morgen in diesem oder im nächsten Leben erwachen.

Es gibt auch Gefahren für Vögel in Menschenhand: schlechte Haltung, vom Menschen verursachte Trainingsunfälle, schlechtes Immunsystem durch Stress, um nur einige zu nennen.
Wie kann man diese vermeiden?
– Gute Aus- und Fortbildungen für Falkner sind immens wichtig, weil jeder Fehler im schlimmsten Fall zu Lasten des Tieres geht.
– Ein Verantwortungsbewusstsein des Falkners. Man muss sich in jeder Minute dessen bewusst sein, dass man die Verantwortung für das Wohl des Vogels hat.
– Ein gutes Netzwerk, damit man jederzeit erfahrene Falkner um Rat fragen kann.
– Ein guter Tierarzt, der zusammen mit dem Falkner Probleme und Krankheiten bereits im Ansatz erkennt und helfen kann.

Für die ganze Welt ist es nur ein Falke, aber für diesen Falken ist es seine ganze Welt.


Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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