Dirk Harders ~ 8 ~ Imprint

Dirk, Altvogelaufzucht, Sozialimprint oder Fullimprint, worin bestehen die Unterschiede und was bevorzugst du als Züchter?

Von einer Altvogelaufzucht spricht man in der Regel, wenn das Zuchtpaar das komplette Brutgeschehen bis hin zum Herausfangen der Jungvögel selbstständig geregelt hat. Dieser Umstand gilt aus meiner Sicht auch für diejenigen Greifvögel, die zum 14. Lebenstag per Hand aufgezogen worden sind, um sie nach der Beringung dem Altpaar zur weiteren Aufzucht zu übergeben. 

Als Sozial- oder auch Dualimprints werden Greifvögel bezeichnet, die nach dem Schlupf in der Brutmaschine bis zum Trocken sein in einer Gruppe von mindestens zwei oder mehreren Individuen per Hand aufgezogen worden sind. Bei dieser Art der Aufzucht kommt es zu einer sexuellen Doppelprägung. Auf den Menschen fixiert kann man sie künstlich besamen oder aber untereinander verpaaren. Bei der zuletzt genannten Variante sollte aber kein akustischer oder optischer „Kontakt“ zum Menschen mehr möglich sein. Solche Greifvögel haben ansonsten das Problem, dass ihnen nicht klar ist, auf wen sie sich jetzt konzentrieren sollen. Dadurch kann es auch ungewollt zu aggressiven Handlungen kommen.

Falco cherrug / Sakerfalken / Sozialimprints aus meiner Zucht 2018

Als Handaufzuchten oder Fullimprints werden Greifvögel bezeichnet, die isoliert und ausschließlich mit Kontakt zum Menschen aufgezogen worden sind. Die spätere sexuelle Ausrichtung ist ausschließlich auf den Menschen fixiert und nicht mehr umkehrbar. Solche Imprints werden dann häufig zur Hybridzucht genutzt.

Weibliche Sozial- oder Fullimprints sind zudem wunderbare Ammenvögel. Sie nehmen einem Züchter in jeder Saison sehr viel Aufzuchtsarbeit ab und ermöglichen zudem Einblicke der besonderen Art. Das Potenzial dieser Fullimprints ist lange Zeit nicht erkannt worden. Um diese Handaufzuchten hat man jahrzehntelang einen großen Bogen gemacht, weil im Kollektiv über diesen langen Zeitraum immer wieder die gleichen Fehler gemacht worden sind, diese aber als solche gar nicht erkannt wurden. Man war mit dem Ergebnis unzufrieden, hatte aber nie eine Ursachenforschung betrieben. Mal andere Wege gehen kam auch niemandem in den Sinn.

Große Beachtung bekam aus diesem Grund das 1998 erschienene Buch „The Imprint Accipiter“ von Mike McDerrmott, oder aber auch das Werk von Lynn Oliphant „The Four Week Window“. Auf Grund dieser völlig anderen Art der Aufzucht und Haltung eines jungen Greifvogels wurden aus schrecklich lahnenden, mantelnden und sich nicht verhauben lassende Imprints wunderbare Jagdgefährten. Sie zeigen sich deutlich leistungsfähiger und widerstandsfähiger gegen Krankheiten als viele Altvogelaufzuchten. Persönlich habe ich mit allen Aufzuchtsformen gute Erfahrungen gemacht.

Unser Fullimprint „Taymir“ aus dem Jahr 2009. Nachdem sie sich Mitte November verstoßen hatte, kam 4 Monate später aus über 1.200 km Entfernung eine Rückmeldung.

An dieser Stelle würde ich gerne noch auf einen Beitrag im Jahrbuch des DFO aus dem Jahr 1997 verweisen. Auf den Seiten 10-19 wird die Person des Herrn Hans Robert Knoespel (geb. 07.August 1915 – 30.Juni 1944) beschrieben. Seine Falken besaßen damals eine Klasse, an die niemand heran reichte. Die Anwarterfalken des Herrn Renz Waller waren weithin bekannt, jedoch stiegen die Wanderfalken von Herrn Knoespel doppelt so hoch. 

Veröffentlicht von Ronjas Mensch

Falknerei ist kein Hobby, es ist Leidenschaft. - Ronja meint: "Falknerei ist die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. " ;-)

5 Kommentare zu „Dirk Harders ~ 8 ~ Imprint

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