Allgemein

Von Worten und Taten – Wer hilft, wenn niemand hinsieht?

Ich beobachte euch Menschen. Das mache ich ziemlich oft. Nicht, weil ich neugierig bin – na gut, vielleicht ein bisschen.
Sondern weil ihr ein seltsames Volk seid. Vor allem dann, wenn irgendwo im Internet ein Bild von einem Wildtier auftaucht.
Ein Wildtier, das Hilfe braucht, ein Wildtier in Menschenhand, ein Wildtier umringt von „Experten“.

Dann geht es los:
„Das arme Tier!“
„Warum hilft denn niemand?“
„Man sollte Tiere einfach in Ruhe lassen.“

Innerhalb weniger Minuten fliegen die Kommentare schneller als ich im Sturzflug.
Ihr diskutiert, verurteilt und belehrt. Jeder scheint genau zu wissen, was richtig und falsch ist.

Doch ich frage mich:
Wo seid ihr, wenn ein verletzter Falke oder Greifvogel versorgt werden muss?
Wo seid ihr, wenn in einer Wildtierauffangstation Käfige geschrubbt, Volieren gereinigt oder Wäsche gewaschen werden muss?
Wo seid ihr, wenn jemand stundenlang durch die Gegend fährt, um einen verletzten Bussard, einen verwaisten Rotmilan oder einen kranken Turmfalken abzuholen?
Wo seid ihr, wenn am Monatsende die Rechnung für Futter, Medikamente oder vom Tierarzt auf dem Tisch liegt?

Dann ist es oft erstaunlich still.

Aber es gibt sie: Die Menschen, die anpacken. Die ihre Freizeit opfern. Die nach Feierabend noch Volieren reinigen. Die mit dem Auto quer durchs Land fahren, weil irgendwo ein Wildtier Hilfe braucht. Die ihre Hände schmutzig machen, ohne dafür Applaus zu erwarten.
Aber es sind oft viel zu wenige.

Empörung kostet nichts. Ein Kommentar dauert vielleicht dreißig Sekunden.
Ein Nachmittag in einer Auffangstation dagegen kostet Zeit, Kraft und manchmal auch Überwindung.
Eine Spende bedeutet, auf etwas anderes zu verzichten.
Doch genau das hilft den Tieren wirklich.

Und noch etwas fällt mir auf.
Viele von euch schimpfen über den Müll in der Natur.
„Unglaublich, wie rücksichtslos die Menschen sind.“
Da stimme ich euch sogar zu.
Aber warum wartet ihr darauf, dass immer jemand anderes den Müll wegräumt?
„Das ist doch nicht meiner.“
Na und?
Wenn dadurch ein Stück Natur wieder sauber wird, spielt es doch keine Rolle, wer die Flasche, die Dose oder die Plastiktüte weggeworfen hat.

Jede eingesammelte Schnur ist eine Gefahr weniger für ein Wildtier.
Jeder aufgehobene Plastikbecher kann verhindern, dass ein Tier darin hängen bleibt.
Jedes Stück saubere Natur ist ein kleiner Gewinn.
Nicht für euer Ego.
Für uns.

Ich weiß, nicht jeder hat Zeit. Nicht jeder kann regelmäßig helfen. Nicht jeder kann große Summen spenden.
Das erwartet auch niemand.

Aber vielleicht könnt ihr euch fragen:
Kann ich einmal pro Woche ein paar Stunden in einer Wildtierstation mithelfen?
Kann ich eine Fahrt übernehmen, wenn ein verletztes Tier transportiert werden muss?
Kann ich fünf oder zehn Euro für Futter oder Medikamente spenden? Kann ich eine Patenschaft für ein Wildtier übernehmen? Kann ich Mitglied in einem Verein werden, der Wildtieren hilft?
Kann ich bei meinem nächsten Spaziergang einfach einen Beutel mitnehmen und den Müll einsammeln, der dort nicht hingehört?
Kann ich anderen zeigen, dass Helfen mehr bewirkt als Kommentieren?

Für uns Tiere zählt am Ende nicht, wie viele Menschen unter einem Beitrag „Armes Tier“ geschrieben haben.
Wir merken nur, ob jemand gekommen ist, als Hilfe gebraucht wurde.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Mitgefühl und echter Verantwortung.
Und vielleicht beginnt Tierschutz nicht dort, wo der lauteste Kommentar geschrieben wird.

Sondern dort, wo jemand die Ärmel hochkrempelt und einfach anfängt.

Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Kommentar verfassen