Allgemein

Stromleitungen und ihre Auswirkungen auf Falken

[Alles hier Beschriebene trifft gleichermaßen auf Falken, Greifvögel und Eulen zu, sowie auf große Vogel anderer Arten.]

Auf diesem Mast saß ich mal, ohne zu ahnen, in welcher Gefahr ich schwebte.

Viele Falken- und Greifvogelarten nutzen Strommasten und -leitungen als Sitze, um von dort aus ihr Territorium zu beobachten, um zu jagen, oder um sich auszuruhen. Sie ahnen nicht, dass diese Sitze zur Todesfalle werden können.

Es gibt zwei Arten von Gefahren:

  • Stromschlag: Wenn ein großer Vogel mit ausgebreiteten Schwingen zwei Stromleitungen oder eine Stromleitung und einen geerdeten Teil berührt, kann ein Stromkreis entstehen, der für den Vogel tödlich ist.
  • Kollisionen mit den Leitungen: Vögel erkennen Stromleitungen oft zu spät oder schlecht, insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen (Beispiel Nebel).

Bei Stromleitungen mit engen Stromleiterabständen oder schlecht isolierten Masten steigt das Risiko deutlich!

Laut dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) gelten in Deutschland freistehende Mittelspannungs-Freileitungen als besonders gefährlich. Nach Meinung des LBV fallen „mehrere Tausend“ Vögel jährlich in Deutschland dem Stromtod zum Opfer.
[Quelle: lbv.de]

Diese Zahlen machen deutlich, dass es sich nicht um wenige Einzelfälle handelt, sondern um ein relevantes Naturschutzproblem, insbesondere für Vögel mit großer Flügelspannweite, so wie ich einer bin.

Große Falken und Greifvögel sind wegen ihrer Flug- und Lebensweise und ihrer körperlichen Eigenschaften besonders gefährdet.

  • Wir haben eine große Flügelspannweite, dadurch berühren wir eher zwei Stromleitungen als kleine Vögel.
  • Wir nutzen Masten als Sitz- oder Jagdwarte, weil es in offenen Gebieten wenig natürliche Sitzbäume gibt.
  • Wir fliegen und jagen oft tief und schnell und können darum oftmals nicht rechtzeitig ausweichen.
  • Viele Opfer bleiben unentdeckt oder werden nicht gemeldet. Mein Mensch sagt, dass in der Nähe solcher Todesfallen bestimmt sehr satte Füchse und andere dankbare Aasfresser leben.

Glücklicherweise gibt es wirksame Maßnahmen, die bereits an manchen Orten umgesetzt werden, und die auch bei uns eine noch größere Rolle spielen sollten.
Bei einem Projekt in der Mongolei wurden 27.000 Masten isoliert.
[Quelle: mbzraptorfund.org]
Es wurden Schutzisolatoren an Stromleitungsabschnitten angebracht, insbesondere dort wo Falken und Adler häufig sitzen oder jagen. Das sollte als Vorbild für andere Länder dienen.
Ich freue mich darum besonders darüber, weil in der Mongolei viele Sakerfalken leben. 🙂

Weitere Verbesserungsvorschläge:

– Optimiertes Stromleitungsdesign bei Neubauten und Sanierung, größere Abstände zwischen Leitungen, Verwendung von Materialen mit geringer Leitfähigkeit, Verzicht auf attraktive Sitzmöglichkeiten direkt an Gefahrenstellen.

– Spezielle Markierungen oder Leuchten, besonders in Zugkorridoren, damit Vögel die Stromleitungen früher erkennen und ausweichen können.

In Deutschland ist im Bundesnaturschutzgesetz verankert, dass gefährliche Stromleitungen inner- und außerhalb von Schutzgebieten binnen 10 Jahren gesichert werden müssen.
[Quelle: lbv.de]
Warum ist das bisher nicht geschehen? Weil niemand unsere Interessen vertritt? Dabei geht es hier um Leben und Tod!

Netzbetreiber, Naturschutzverbände und Behörden sollten zusammenarbeiten, um Problempunkte zu erkennen und Lösungen umzusetzen.
Jeder Artikel, Vortrag oder Hinweis hilft, Aufmerksamkeit für dieses Thema zu schaffen, denn nur das Wissen über das Problem kann zu Veränderungen führen.

Stark- und Mittelspannungsleitungen mögen den Menschen praktisch und harmlos erscheinen, für uns Falken bergen sie allerdings ein hohes Risiko. Doch mit gezielten Maßnahmen – von technisch optimierten Stromleitungen über bessere Sichtbarkeit bis hin zu Kooperationen im Naturschutz – kann diese Todesfalle entschärft werden.
Jeder Schritt zählt – zum Schutz unserer heimischen Natur.

Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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2 Kommentare

  1. Bjoern sagt:

    Der Artikel trifft durchaus auch auf die kleineren Falkenarten (und auch auf grössere Vogelarten wie z.B. Störche) zu.
    Ich hatte hier schon einige Patienten (Turmfalken) mit den typischen Anzeichen von Stromschlägen, leicht zu erkennen an Verbrennungen an Flügel und Fuss, jeweils an der gegenüberliegenden Körperseite.
    Soweit ich weiss, sollten bei uns alle Masten seit 2013 mit entsprechenden Schutzvorrichtungen versehen sein. Andere Länder hinken hinterher, was besonders auf den Routen der Zugvögel (Beispiel Türkei) ein tödliches Problem darstellt.

    1. Danke für die wertvolle Ergänzung. Dann trifft es leider auch kleine Falken, wie den Turmfalken, und noch viele andere Vögel. Sehr traurig.

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