Mir ist aufgefallen, dass in der „Virtuellen Welt“ immer alles toll ist. Alles klappt, alles ist wunderbar, jeder ist schön und alles schmeckt gut. Dass das nichts mit der „Realen Welt“ zu tun hat, das sollte doch eigentlich jedem klar sein. Um dem Schein der perfekten Welt entgegenzuwirken, erzähle ich euch im zweiten Teil meines Urlaubsberichtes, was bei uns alles nicht geklappt hat, was nervig und doof war. Denn auch das passiert mal in einem sonst schönen Urlaub.



Zeitverschwendung:
An einem Tag wollten meine Menschen das bretonische Inland erkunden. Wir fuhren in die Berge (die in der Bretagne nicht allzu hoch sind). Geplant war eine kleine Wanderung, um die Aussicht zu genießen. Wir fuhren und fuhren, meine Menschen suchten eine Parkmöglichkeit und fanden keine. Also fuhren wir wieder bergab. Das Wetter lud an diesem Tag zudem nicht dazu ein, das Auto zu verlassen, es war neblig und kühl. Es gibt Fahrten, die man sich sparen kann, aber das weiß man erst hinterher.
Tipps vom Reiseführer:
Wie im letzten Beitrag erwähnt, holten wir uns viele Reisetipps aus dem Buch „Dupins Bretagne“ von Jean-Luc Bannalec. Viele der Empfehlungen waren lohnenswerte Ziele. Ein Hofladen mit kleinem Restaurant wurde besonders empfohlen. Leider war der Parkplatz durch eine Höhenschranke begrenzt, Campingwagen waren zum Parken nicht willkommen.
Ein anderes Restaurant hatte bei unserem Besuch Ruhetag.
Aber meine Menschen ließen keine Sekunde den Kopf hängen, sondern überlegten sich sogleich eine Alternative.



Skurrile Gestalten:
An einer Flussmündung, an der Austern gezüchtet werden, machten meine Menschen eine Pause und gingen an dem kleinen Hafen spazieren. Plötzlich stand ein großer dünner Mann in einer Badehose vor mir. Er sah mich bewundernd an. Dann gab er meinem Menschen einen Tipp, dass in der Nähe ein kleines denkmalgeschütztes Haus steht, in dem man sieht, wie früher Austern angebaut und geerntet wurden. Wir bedankten uns und schlenderten zu dem Häuschen. Er begleitete uns, was uns seltsamerweise weder bedrohlich noch aufdringlich erschien, obwohl er pausenlos auf uns einredete, von seiner Großmutter und deren Papagei erzählte und fragte, ob er mich seinem Enkel zeigen dürfe.
In dem Häuschen ging er in eine Ecke, in der sein Handtuch hing. Er trocknete sich ab und zog seine nasse Badehose aus, was meinem Menschen nicht verborgen blieb. Das war der Augenblick, an dem mein Mensch eine Flucht in Erwägung zog. Glücklicherweise beeilte sich der Mann mit dem Anziehen seiner trockenen Sachen, die dort an einem Haken hingen. Da wir ihm versprochen hatten, dass er mich seinem Enkel zeigen darf, folgten wir ihm, betonten aber, dass wir nur kurz Zeit hätten.
Er lief schnurstracks auf das Schloss in dem Ort zu. Wir mutmaßten, dass er dort angestellt sei, vielleicht als Butler. Aber es stellte sich heraus, dass er der Schlossbesitzer war, zudem adelig und der Herr über die Austernzucht inklusive weltweitem Verkauf.
Er rief im Schloss lauthals nach seinem Enkel, der zugleich angerannt kam. Auch in der Badehose.
Wie der Opa, so der Enkel, dachte ich mir.
Der nette Monsieur wollte noch unbedingt ein Foto mit mir. Diesen Wunsch erfüllte ich ihm.



Sturm:
Eines unserer Ausflugsziele war die Festung „Fort La Latte“, auch „Château de la Roche Goyon“ genannt. Diese Burg, die bereits Kulisse für viele berühmte Filme war, thront auf einer Landzunge im Nordosten der Bretagne. Ich freute mich schon sehr, diese Burg zu sehen. Mittelalterliche Bauwerke und ein Falke, das passt einfach gut. 😉
Als wir am Parkplatz ankamen, wehte der Wind bereits enorm stark. Ich hätte keinen Spaß bei der Besichtigung gehabt und wartete deshalb im Auto. Meine Menschen und unser Vierbeiner schauten sich die Burganlage an, und sie kamen ziemlich zerzaust wieder zurück. Mich hätte es bestimmt fort geweht. Manchmal ist Verzicht zwar schade, aber vernünftig.



Oben ohne:
Unsere Menschen besuchten die „Aquashow“ in Audierne. Leider durften wir Tiere nicht mit. Da es kühl und bewölkt war, konnten wir problemlos im Auto warten. Normalerweise trage ich bei solchen Gelegenheiten meine Haube und nutze die Ruhe, um zu dösen. An diesem Tag wollte ich lieber rumgucken. 😉
Als mein Menschen zum Auto zurückkehrte, bemerkte sie, dass ich oben ohne (ohne Haube) in meiner Reisebox saß und aus dem Seitenfenster schaute. Ich war nicht gesichert, meine Geschühriemen baumelten lose. Das macht mein Mensch so, damit ich mich nicht in meiner Reisebox in der Schnur verheddere, mit der sie mich festbinden könnte.
Die Herausforderung bestand darin, die Autotüre zu öffnen, ohne Gefahr zu laufen, dass ich raus fliege, was ich gar nicht vorhatte. Aber das wusste mein Mensch ja nicht.
Sie rätselt bis heute, wie ich es geschafft habe, mir selbst die Haube auszuziehen. Dabei hatte sie die Haube nicht vollständig zugemacht. Aber das verrate ich ihr nicht.
Glück ist kein pausenloses Gefühl, sondern es sind Momente, die einen zum Lächeln oder zum Lachen bringen, die einem eine positive Gänsehaut bescheren, die einem das Herz wärmen.
Und davon hatten wir im Urlaub sehr viele.
Laut Dupin ist die Bretagne „die letzte Oase irdischer Glückseligkeit“.
Au revoir, Breizh!


