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Gastbeitrag von Bjoern / Badefreuden


Hallo, ich heiße Bjoern, wohne im südlichen Bayern zusammen mit einigen Eulen, einem Geier und meiner Frau Eva, die wie ich auch Falknerin ist.

Eigentlich müsste es ja Eulerin und Euler heißen, aber Falkner sind nicht nur für Falken zuständig (Adler, Habichte oder Bussarde sind ja auch keine Falken), sondern für Greifvögel ganz allgemein. Der Lernstoff für die Prüfung zum Falkner ist sehr umfangreich, aber das Thema Eulen kommt nur sehr marginal vor. Deshalb steht man am Anfang einer Eulenhaltung erst einmal ziemlich dumm da und muss eigene Erfahrungen sammeln, wenn man keinen Eulenhalter kennt, den man fragen kann. Und selbst bei Fachleuten trifft man oft auf Wissenslücken, auch das Internet war bis vor einigen Jahren keine große Hilfe.

Deshalb hier in lockerer Folge ein paar kleine Geschichten, die ich mit meinen Jungs und Mädels im Laufe der Jahre erlebt habe.

BADEFREUDEN

Ein Mensch, den ich ansonsten für seine Klugheit überaus schätze, erklärte mir, dass Uhus an sich kein Wasser brauchen. Ihren Feuchtigkeitsbedarf beziehen sie normalerweise aus der aufgenommenen Nahrung, darüber hinaus wissen sie mit Wasser nichts anzufangen. Das hatte er in Büchern gelesen, die andere, ansonsten kluge Leute von Büchern abgeschrieben hatten, die kluge Leute vor ihnen verfasst hatten.

Um es kurz zu machen: Meine Uhus haben diese Bücher nicht gelesen, sie baden ausgesprochen gerne.

Die lange Geschichte ist folgende:

Zu einer ordentlichen Voliere gehört, neben einigen anderen wichtigen Einrichtungsgegenständen, eine Badebrente. Das ist im Prinzip eine Wasserschüssel die etwa aussieht wie ein grosser Blumentopfuntersetzer. Leider gibt es solche Brenten nicht in beliebiger Größe, bei etwa 60 cm Durchmesser ist Schluss. Wenn nun ein Vogel ordentlich baden möchte, dann macht er im Grunde nichts anderes, als das Wasser mit energischen Bewegungen der Schwingen über seinen Körper zu schaufeln. Ein erwachsener Uhu hat eine Spannweite von über 1,60 m, die Waschschüssel hat 60 cm, das ist, als ob ein Mensch in einem Spülbecken duschen möchte. Also habe ich nach langem Suchen etwas Besseres gefunden – es gibt Kunststoffschalen, in die man komplette Europaletten hineinstellen kann, die Maße sind etwa 1,3 m x 0,9 m.

Meine Volieren sind sehr groß, und ich lege selbstverständlich darauf Wert, dass sie immer sauber und ordentlich sind. Ich reinige sie mit einem großen Industriestaubsauger, mit dem ich Federn, Gewölle und herein gefallenes Laub absauge. Der Boden besteht bei mir aus einer dicken Schicht mit großen Kieseln, die ich anschließend an den bevorzugten Sitzplätzen des Vogels noch mit dem Hochdruckreiniger abspritze. Normalerweise funktioniert das hervorragend, nur im Winter gibt es ein Problem. 2/3 der Voliere ist von oben offen, es fällt Schnee herein, das Wasser in der Badebrente gefriert. Schmutz lässt sich nicht mehr aufsaugen oder spritzen, man ist immer froh darüber, wenn sich gnädig eine frische Schicht Schnee über die Misere breitet.

Ein Teil meiner Strategie ist zu dieser Jahreszeit, den neuen Schnee möglichst schnell auf einen Haufen mitten in der Voliere zu schaufeln, bevor er sich verfestigt. Die Uhus lieben das, so haben sie einen kleinen Feldherrnhügel, von dem aus sie die Umgebung betrachten können. Irgendwann wird es dann endlich wieder wärmer und der restliche Schnee schmilzt schneller ab, wenn die Schichtdicke nicht so hoch ist.

Mit den ersten Sonnenstrahlen, die diesen Namen auch verdienen, beginnt das Wasser in der Kunststoffschale wieder abzuschmelzen. Da es sich um schwarzen Kunststoff handelt, erwärmt es sich von den Rändern her, es entsteht ein schmaler Rand flüssigen Wassers in dem eine große Eisplatte schwimmt. Das Teil hat ein tüchtiges Gewicht, aber sobald ich das schaffe, packe ich es an den Rändern und wuchte es aus der Schale heraus, natürlich immer unter der aufmerksamen Beobachtung von Toshi.
Toshi ist ein europäischer Uhu, und zusammen mit seiner dicken Frau Flocke (ein sibirischer Uhu), Besitzer dieser Voliere.

Sobald die Wanne eisfrei ist, will ich mir nun erst mal nach dieser ungewohnten Anstrengung eine ordentliche Brotzeit gönnen.
Kaum habe ich die Volierentüre geschlossen, beginnt hinter mir der Tumult.
Toshi hat die freie Wasserschicht entdeckt und sich sofort hineingestürzt, ohne weitere Umschweife spritzt und paddelt er in dem bisschen verbliebenen Tauwasser, dass es eine reine Freude ist! Man kann ihm ansehen, welchen Spaß er hat und wie sehr er ein ausgiebiges Bad vermisst hat. Obwohl es draußen noch nicht wirklich warm ist und das Schmelzwasser in der Wanne auch kaum über 0°C haben kann, gibt der Vogel keine Ruhe, bis er nicht bis zur letzten Feder durchnässt ist.

Ob Uhus eine Trinkgelegenheit brauchen? Schaden kann es keinesfalls. Sicher kommen sie lange Zeit ohne aus, auch gibt es persönliche Vorlieben. Mein Uhu Leon hat z.B. lange Zeit immer nach dem Fressen ein paar Schlucke aus der Badebrente geschlürft. Die anderen trinken selten, meist wenn es sehr heiß ist.

Und auch Wasser, das von oben kommt, ist gern gesehen. Ein Sommerregen wird freudig mit weit ausgebreiteten Flügeln begrüßt, man dreht und wendet sich hin und her, um das Gefieder von allen Seiten zu benetzen und möglichst keinen der kostbaren Tropfen zu verpassen.

In menschlichen Kreisen ist die Ansicht weit verbreitet, dass ein Vogel halt ein Vogel ist, er sitzt oder hüpft irgendwo herum und das wars dann schon auch.
Wer sich jedoch mit diesen Tieren näher beschäftigt, der merkt schnell, welch vielfältige Mimik und Ausdrucksmöglichkeiten Vögel haben, um mit ihresgleichen und sogar mit uns Menschen zu kommunizieren oder auf ihre Umwelt zu reagieren. Aber dazu vielleicht später mal mehr. 😉

Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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1 Kommentar


  1. Danke fuer diesen hochinformativen Beitrag. Ich freue mich schon auf mehr!

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