Vertrauen

Ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt:
Ich vertraue meinem Menschen, und mein Mensch vertraut mir.

Marion Zimmer Bradley schreibt dazu in ihrem Buch „Herrin der Falken“ / „Hawkmistress“: (Danke Pit, für den Tipp!) 🙂

„Wenn du einem menschlichen Wesen aus irgendeinem Grund, der dir stichhaltig erscheint, die Treue brichst, kannst du es ihm hinterher wenigstens erklären.
Aber wenn du einer stummen Kreatur die Treue brichst, hast du sie auf unverzeihliche Weise verletzt, weil du es ihr niemals begreiflich machen kannst.“

Ich lebe nun seit 17 Monaten bei meinem Menschen, und sie hat noch nie ein böses Wort gegen mich gerichtet, im Gegenteil, sie geht immer lieb und respektvoll mit mir um. Sie fragt mich oft, wie es mir geht, und auch wenn ich nur ohne Worte antworten kann, versteht sie mich, anhand meiner Mimik und meines Verhaltens.

Mein Mensch muss eine gute Jägerin sein, denn ihr mangelt es nie an Atzung, und sie gibt mir davon immer etwas ab.
Wenn ich frei meine Runden am Himmel drehe, steht sie unten und gibt auf mich acht.
Wenn wir spazieren gehen, hält sie ungestüme Hunde davon ab, zu mir hoch zu springen.
Auch das Jagdtraining mit dem Stangenfederspiel macht Spaß mit ihr. Meistens ist sie schneller als ich, aber manchmal kann ich sie überlisten, und dann schnappe ich es, ob sie will, oder nicht. 😉

Mein Mensch vertraut auch mir.
Sie kann mich ohne Falknerhandschuh bei sich auf der Hand stehen lassen, weil sie weiß, dass ich auf ihre Hand achtgebe, und ihr nicht meine Krallen ins Fleisch schlage.

Aber mit Handschuh ist es mir lieber, weil ich mich dann besser festhalten kann und nicht so aufpassen muss.

Sie lässt mich oft Atzungsreste von ihren Fingern picken, und sie weiß, dass ich auf ihre Finger aufpasse.
Wir sind ein klasse Team!

Nur bei unseren Selfies nimmt sie deutlich zu viel Platz ein. 😉

Wir Tiere haben unser Vertrauen in die Menschheit noch nicht ganz verloren.
Bitte, duldet es nicht, dass Tieren Leid geschieht, weder Nutztieren, noch Haustieren noch Wildtieren.
Setzt euch für das Wohl der Tiere ein, seid fair und lieb zu euren Haustieren, kauft kein Billigfleisch, denn wir alle wissen, wie die Tiere leiden müssen, deren Fleisch dann billig verkauft wird.
Und lasst den Wildtieren auch noch ein bisschen Platz auf der Welt! Schön wäre, wenn dieser Platz dann nicht vollgemüllt ist. (siehe Beitrag „Plastikmüll“ / März 2020)

So, das musste ich mal los werden.

Mein Mensch wird oft gefragt, warum sie mich am Handschuh festbindet, wenn wir spazierengehen, wenn sie mir doch vertraut.

Mein Mensch sagt dann, dass mein Geschüh wie das Halsband eines Hundes ist. Oft steht am Halsband Name des Hundes und Telefonnummer des Besitzers.
Wenn ein Falke Geschüh trägt, dann weiß man, das ist kein wilder Falke, sondern der gehört zu jemandem. Auf einem kleinen Schild an meinem Geschüh steht die Telefonnummer meines Menschen.

Solltet ihr mal einen Vogel mit Geschüh sehen, ohne Mensch dabei, dann meldet das bitte der Polizei, die weiß dann meistens, wer seinen Vogel gerade vermisst, und kann die beiden wieder zusammen bringen. Oder ihr ruft einen Falkner aus eurer Nähe an, der weiß dann auch, was zu tun ist.

Meine Langfessel ist wie die Leine des Hundes. Mit der Leine tut man dem Hund nichts Böses an, sondern man sichert ihn, damit ihm nichts passiert, wie z.B. an einer Strasse. Oder man sichert andere durch die Leine, wie z.B. bei der Brut- und Setzzeit, wenn die Rehe ihre Kitze ins hohe Gras legen, oder die Hasenbabys auf dem Feld sind, damit der Hund diese Tiere nicht aufstöbert und verletzt.

Mich am Handschuh festzubinden sichert also auch andere, denn ich gelte vor dem Gesetz wie eine Waffe, die man sichern muss. Wenn ich z.B. ein Mauswiesel außerhalb der zulässigen Jagdzeiten erbeuten würde, dann wäre das eine Ordnungswidrigkeit. Erbeute ich ein Tier, das ganzjährige Schonzeit hat, dann wäre das sogar eine Straftat.
Natürlich nimmt ein Falke in der Natur keine Rücksicht auf Jagdzeiten, der muss jagen, um satt zu werden. Ich habe meinen Menschen, der immer Atzung für mich hat, darum halte ich mich an die Jagdzeiten.

Vertrauen bedeutet auch, jemandem die Macht zu geben, dich zu verletzen, aber fest daran zu glauben, dass er es nicht tut. Vertrauen beinhaltet auch miteinander vertraut sein, also eine enge persönliche Beziehung zu haben.
Und das baut man auf, indem man Zeit zusammen verbringt, und Abenteuer zusammen erlebt. 🙂















Veröffentlicht von Ronjas Mensch

Falknerei ist kein Hobby, es ist Leidenschaft. - Ronja meint: "Falknerei ist die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. " ;-)

4 Kommentare zu „Vertrauen

  1. Ein ganz wunderbarer – auch emotionaler – Bericht. Freut mich, dass ein Tipp mit „Hawkmistress“ so gut angekommen ist. 🙂 Apropos Vertrauen: ich habe immer doch den Blick meines besten Freundes [Buster] in Erinnerung, wenn es ich einmal nicht so gut ging und er zu ir aufschaute als ob er sagen wollte, „Mit geht es heute gar nicht so gut aber ich weiss, Du wirst mir schon helfen.“ Kann – und will – ich nicht vergessen.

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