Mein Mensch fuhr an einem Freitag im November zum Schloss Wiesenthau, Nähe Bayreuth, um dort an einem Seminar über die Krähen-Beizjagd teilzunehmen. Möchte sie dieses Wissen dann bei mir anwenden? Ich lasse sie mal glauben, dass es möglich wäre. 😉

Hier ihr Bericht:
Der erste Tag war voller Theorie, trotzdem kurzweilig und interessant, da es kein Monolog von Seminarleiter Rainer war, sondern eine lebhafte Diskussion voller interessanter Fragen seitens der Teilnehmer (vier weibliche und drei männliche).
Es wurden folgende Themen behandelt:
1. Die Grundlagen und Allgemeines zur Krähen-Beizjagd
2. Die Rabenkrähe – Wissenswertes und die Verhaltensweisen
3. Die Auswahl und der Einsatz des Beizvogels für die Krähen-Beizjagd
4. Das Einstellen / Umstellen des Beizvogels auf Rabenkrähen
5. Ablauf einer Krähen-Beizjagd
6. Das Grundlegende zum Einjagen des Krähen-Beizvogels
7. Die Praxis beim Einjagen eines Krähen-Beizvogels auf Rabenkrähen
8. Das Einschleichen von unerwünschten Gewohnheiten und wie man dagegen wirken kann
Die Inhalte der einzelnen Kapitel gebe ich hier nicht wieder. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich, den Kurs bei Rainer zu belegen, sobald er wieder angeboten wird.
https://falknerei-beizjagd.de/
Der zweite Tag war als Praxistag geplant. Jeder Jäger und jeder Falkner weiß, dass man in der Natur nichts bestellen kann. Es kommt, wie es kommt, und wenn nichts kommt, dann kommt nichts. 😉
Wir hatten aber großes Glück und durften an diesem Tag sowohl Fehlflüge als auch Erfolge von Habicht und Wanderfalke sehen.
Rainer hatte Michaela mit ihrem Habicht Henry für den Praxistag an seiner Seite. Er selbst hatte zwei ausgebildete Wanderfalken dabei, Nelly (weiblich) und Athos (Terzel=männlich).


Wir fuhren mit zwei Autos insgesamt 140 km durch die Reviere, die Rainer für die Krähen-Beizjagd zur Verfügung stehen. Erst gab es keine Gelegenheiten, aber dann erschienen einzelne Krähen auf den Feldern und der Habicht Henry startete durch das Autofenster und zeigte spektakuläre Angriffe. Der erste Versuch misslang, später endeten zwei erfolgreich. Falknersheil!


Nach einer Mittagspause mit gutem fränkischem Essen und interessanten Gesprächen ging es weiter und wir suchten die Reviere nach Krähen-Schwärmen ab. Wanderfalke Nelly zeigte uns einen Fehlflug, und im Anschluss einen faszinierenden Flug und einen erfolgreichen Angriff. Falknersheil!
Wir mussten über einen dreckigen Acker rennen und durch eine stachelige Dickung durch, um zu Nelly zu gelangen, aber das gehört zur Krähen-Beizjagd dazu.


Die Jagd von einem Habicht und die Jagd von einem Wanderfalken sind nicht vergleichbar. Der Habicht ist ein Kurzstreckenjäger, der seine Beute überrascht und schnell überwältigt. Der Wanderfalke steigt hoch in den Himmel hinauf und greift seine Beute in der Luft mit einer unglaublich hohen Geschwindigkeit an. Seine Flüge dauern natürlich viel länger. Wenn die Rabenkrähen Schutz in einer Baumkrone suchen, kann man als Falkner versuchen, die Krähen mittels Lärm aus der Baumkrone zu vertreiben, damit der Falke seinen Angriff starten kann.
Es ist so oder so eine faszinierende Teamarbeit zwischen Vogel und Mensch, geprägt von gegenseitigem Vertrauen. Keine Beizjagd ist wie eine andere, Falkner und Vogel müssen sich jedes Mal auf eine neue Situationen einstellen, mit all ihren Chancen und Gefahren.
An dem Tag konnten noch alle Fragen gestellt werden, die am Vortag noch nicht aufgetaucht waren. Theorie ist das eine, aber um etwas zu erleben und zu erlernen, ist die Praxis unabdingbar.
Viel zu schnell war dieser tolle Tag vorbei. Das Jagdfieber hat uns alle gepackt.

