Ich bin viel unterwegs.
Manchmal sitze ich in einem Klassenzimmer und beobachte neugierige Kinderaugen. Manchmal bin ich Teil eines Vortrags, einer Veranstaltung, einer Begegnung, in der sich zwei Welten begegnen.

Ich bin gerne mit dabei. Ich mag die Aufmerksamkeit, die ruhigen Hände und die respektvollen Blicke. Doch zwischen all diesen Terminen brauche ich etwas ganz Wichtiges: Zeit für mich.
Es gibt auch Tage mit Action.
Flugtraining, Wind unter den Schwingen, weite oder enge Bögen am Himmel.
Konzentration, Geschwindigkeit, Jagdtrieb.
Da darf ich Falke sein: fliegen, reagieren, arbeiten, meine Kraft spüren. Diese Einheiten verlangen mir körperlich wie geistig alles ab. Das verbessert meine Ausdauer und es schärft meinen Instinkt.



Und dann gibt es die stillen Momente.
So ist es auch in der Natur. Nicht jeder Tag ist Jagd, nicht jeder Moment Bewegung. Es gibt Zeiten, in denen nichts passiert. Zeiten, in denen ich einfach sitze, mein Gefieder ordne, die Sonne genieße oder für einen Moment die Augen schließe. Ein kleines Mittagsschläfchen, ein ruhiger Platz, ein sanfter Windhauch – mehr braucht es manchmal nicht.

Diese Pausen sind wichtig für meinen Körper, für meinen Kopf und für mein Immunsystem.
Zu viele Eindrücke, zu viele Ortswechsel, zu viele Termine würden mich stressen, und Stress macht krank. Das gilt für Menschen genauso wie für Falken.
Ein Falke braucht Herausforderung und Ruhe. Beides gehört zusammen.
Ich muss nicht in Watte gepackt werden. Ich bin stark und belastbar. Aber ich darf auch beobachten, ruhen, mein Gefieder pflegen, einfach da sein.
Nur wenn all das im Gleichgewicht ist, bleibe ich konzentriert und entspannt.
Mein Mensch sagt oft: „Ein ausgeglichener Falke ist ein guter Begleiter.“
Ein entspannter Falke ist kein gelangweilter Falke. Er weiß, wann es Zeit für Wind, Jagd und Bewegung ist und wann es gut ist, einfach still zu sitzen und die Welt zu beobachten.
Vielleicht ist das auch für euch Menschen eine Erinnerung: Manchmal ist nichts tun genau das, was man braucht.

