Das Wunder der „Geburt“

In meinem ersten Beitrag „Wie alles begann“ konntet ihr lesen, dass ich am 18. April 2018 geschlüpft bin.
Heute erzähle ich euch mehr über das Wunder des Legens, Brütens und Schlüpfens.

Ein weiblicher Sakerfalke kann in der Regel ab seinem zweiten Lebensjahr Eier legen.
In der Natur findet sich ein Paar zusammen. In der Zuchtvoliere kann es sein, dass sich Falkenweib und Terzel mögen, falls nicht, kann man das nicht erzwingen.

Das Gelege besteht aus 4 – 5 Eiern, die jeweils in einem Abstand von 2 Tagen gelegt werden, vor dem letzten Ei kann der Abstand auch 3 Tage sein.

Ab dem dritten Ei brütet der Falke auf dem Gelege, und wenn die Innentemperatur des Eis 20 Grad Celscius erreicht, beginnt das „Leben“ im Ei.

Mehrmals am Tag lösen sich die Falkeneltern beim Brüten ab. Die Eier werden immer wieder gewendet, das ist wichtig, denn für das Ei ist es oben am Körper wärmer als unten, z.B. im Kiesbett.
Nachts brütet immer die Falkenmutter. In der Natur ist das darum wichtig, weil sie größer ist als der Terzel (beim Saker heisst der Terzel Sakret) und darum besser Feinde abwehren kann, wie z.B. einen Uhu.

Die Eier werden ca. 31 bis 33 Tage bebrütet, dann kommt der erste Pick. Das bedeutet, das Küken im Ei drückt mit seinem Eizahn ein Loch in die Schale. Dann dauert es ca. 2,5 Tage, bis das Falkenbaby schlüpft, indem es das Ei mit seinem Eizahn von innen aufsägt. (Der Eizahn ist ein dornartiger Auswuchs am Oberschnabel, der später automatisch abfällt.)

Der Dottersack (=Eigelb) liegt bis kurz vor dem Schlüpfen außerhalb des Körpers. Erst dann zieht das Falkenbaby den Dottersack nach innen, weil es die Energie aus dem Dotter für das Schlüpfen benötigt.
Die Natur ist faszinierend, oder? 🙂

Nach dem Schlüpfen kommt das Falkenbaby für 24 Stunden ohne Nahrung aus, der restliche Dottersack reicht.
Das ist gut so, denn die Eltern müssen das Füttern vielleicht erst üben. 😉
Die Fleischbrocken, die verfüttert werden dürfen nicht zu groß sein.
Im Speichel der Eltern sind Enzyme, die dem Falkenbaby dabei helfen, die Fleischbrocken zu schlucken und zu verdauen.

Wenn die Jungfalken älter als 14 Tage sind, dann gehen beide Eltern wieder auf die Jagd. Wie sollte man sonst so einen Bärenhunger von 4 -5 Jungfalken stillen?

Das Federwachstum ist mit ca. 65 Tagen abgeschlossen, dann spricht man davon, dass der Falke „trocken“ ist. Davor hat er sein wärmendes Dunenkleid.

Nachdem die Jungfalken das Nest verlassen haben, werden sie noch ungefähr 6 Wochen von den Eltern mit Nahrung versorgt, damit sie in dieser Zeit fliegen und jagen lernen können. Hier spricht man von der Ästlingszeit bzw. vom Bettelflug.

Auf dem letzten Foto seht ihr zwei Geschwister, die im Abstand von 3 Tagen geschlüpft sind. Das Kleine wiegt 39,8 g, das Große wiegt 124,6 g.

Alle Fotos von diesem Beitrag wurden mir von Dirk Harders zur Verfügung gestellt. Tausend Dank dafür!
Dirk ist seit vielen Jahren erfolgreicher und leidenschaftlicher Falkenzüchter.
Er hat viel wertvolle Zeit geopfert, um mich mit diesen vielen interessanten Informationen zu versorgen. Auch dafür vielen Dank! 🙂










Veröffentlicht von Ronjas Mensch

Falknerei ist kein Hobby, es ist Leidenschaft. - Ronja meint: "Falknerei ist die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. " ;-)

3 Kommentare zu „Das Wunder der „Geburt“

  1. „Die Natur ist faszinierend, oder?“ – Absolut!
    Ganz lieben Dank fuer diesen wieder hochinteressanten und informativen Beitrag, und danke auch an Dirk Harders fuer die begeisternden Fotos. 🙂

    Gefällt 1 Person

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