Gastbeitrag von Elizabeth

Hi! Ich bin heute Gastbloggerin auf Ronjas Blog und freue mich sehr, dass ich sie gefunden habe! Ich bin US-Amerikanerin und wohne seit acht Jahren im Schwabenland. Ich habe in den USA Deutsch unterrichtet, also hatte ich einen Vorsprung mit der Sprache. Aber ich stimme Ronja zu – Schwäbisch ist nicht unbedingt einfach zu verstehen!

Ich kenne auch Burg Hohenneuffen und Wolfgang Wellers Flugshow – das hat meinen Mann und mich vor zwei Jahren fasziniert! Ich habe damals angefangen zu recherchieren, was man machen muss, um Falknerin zu werden. Ein Jagdschein stand nicht auf meinem Lebensplan! Ich brauchte aber eine Herausforderung, und das ist es gewesen!

Mein Mann musste mir mit der Sprache helfen und hat so viel gelernt, dass er sich entschieden hat, seinen Jagdschein und dann auch Falknerjagdschein zu machen. Den Kurs und die Prüfung haben wir vor einigen Wochen mit Erfolg abgeschlossen!

Der Kurs ging ziemlich schnell: Sieben Tage waren geplant, aber am ersten Tag haben sie uns gesagt, die Prüfung findet am Freitag statt und nicht am Samstag. Im Unterrichtsplan waren auch drei Tage in der Schule (Themen Recht, Vogelkunde und Wiederholung) und vier Tage Praxis (Themen Ausübung der Beizjagd und Haltung, Pflege und Abtragen eines Beizvogels) in einer Falknerei. Vielleicht wegen der Corona-Regelungen hatten wir zum Schluss bloß einen Tag in der Falknerei. Alle andere Tage waren wir in der Schule mit Masken und Abstand. Wir waren 20 Teilnehmer, normalerweise sind es acht bis zehn.

Stellt euch vor, Recht in einer Fremdsprache zu lernen! Ich glaube, ich kenne die Gesetze jetzt besser in Deutschland als in den USA – und ich lebte dort 44 Jahre! Naturschutzgesetz, Bundesjagdgesetz, Landesjagdgesetz, Bundeswildschutzverordnung, Bundesnaturschutzverordnung, Bürgerliches Gesetzbuch, und noch mehr! Die Prüfer in Recht und Vogelkunde waren mit mir zufrieden, ich war nicht so gut mit den praktischen Themen. Aber meine Leistung war gut genug.

Nun arbeite ich mit meinem Lehrprinz, einem Falkner in der Nähe von uns, und seinem Habicht, Astrid (Name geändert wegen Schutz der Privatsphäre). Wenn sie nur sprechen könnte…

Sie würde wahrscheinlich sagen, diese Frau mit dem komischen Akzent hat von Nichts eine Ahnung. Ich habe viele Bücher gelesen – fast alle, die Ronja empfohlen hat und noch andere – aber man lernt das Wichtigste nicht aus Büchern. Astrid sitzt auf meinem Handschuh und frisst Eintagsküken. Oft bin ich zu langsam mit dem nächsten Küken, manchmal aber zu schnell. Habt ihr gewusst – Eintagsküken haben noch Dotter (Eigelb) im Körper. Ich habe es dann jedes Mal auf meiner Hose und Jacke. Greifvögel müssen ja keine Tischmanieren lernen.

Dann trage ich sie ein bisschen im Garten herum. Jedes Mal, wenn es ihr zu blöd ist, springt sie ab und flattert (weil ich ihre Geschühriemen wie in einem Schraubstock fest halte, kann sie nicht wegfliegen). Anscheinend ist es ihr alle 15 Sekunden zu blöd (ich übertreibe ein bisschen). Hinter dem Garten ist eine Baustelle mit Kran und lauten Männern. Gestern ist der Nachbar mit seinem Traktor 10-Mal vorbeigefahren. Dann kam der Paketdienst. Alles doof. Mein Lehrprinz ist geduldig und versteht, dass ich bisher fast nichts Praktisches gelernt habe. Und Astrid ist kein Showvogel, die oft von Fremden getragen wird. Sie hat vor mir noch nie einen Menschen abgetragen (trainiert).

Aber ich gebe nicht auf und hoffe, es wird bald besser. Wir haben in unserem Garten Platz für eine Voliere, und wir werden vielleicht nächstes Jahr einen Greifvogel nach Hause bringen. Ob Habicht oder Sakerfalke oder Harris Hawk (die stammen auch aus den USA) wissen wir noch nicht. In der Zwischenzeit lernen wir so viel wir können.

Veröffentlicht von Ronjas Mensch

Falknerei ist kein Hobby, es ist Leidenschaft. - Ronja meint: "Falknerei ist die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. " ;-)

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