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Mobiltelefon, Internet oder das reale Leben

Mir fiel während unseres Sommerurlaubs etwas auf. Viele Menschen, die mich angeschaut haben, die haben mich nur durch ihr Mobiltelefon angeschaut und mich dann fotografiert. Die meisten haben höflich gefragt, ob sie es dürfen, und manche haben mir einfach ungefragt ihr Handy vor den Schnabel gehalten.
Man darf mich betrachten, und man darf mich auch fotografieren, aber auch ich möchte den anderen anschauen. Und das war mir selten möglich, denn meistens konnte ich das Gesicht meines Gegenübers nicht sehen, sondern nur die Rückseite seines Mobiltelefons.

Die Menschen wollten schnell ein Foto von mir machen, um es sogleich auf diverse Social Media Kanäle online zu stellen.
Ich betrachtete die Rückseiten der Mobiltelefone, wie sie kamen und wie sie gingen und fragte mich, ob diese schnellen Klicks wirklich besser waren, als sich Zeit zu nehmen, um sein Gegenüber anzusehen, die Bewegungen des anderen wahrzunehmen, die Geräusche zu hören, die er erzeugt und Nähe zuzulassen und zu erleben.

Aber nicht nur das, sondern ich konnte noch etwas beobachten. Manche Menschen saßen mit anderen Menschen an einem Tisch, und anstatt sich zu unterhalten oder sich anzuschauen, starrten beide in ihre jeweiligen Mobiltelefone. Oder eine Mutter, die lieber in ihr Handy schaute, als ihr Kind auf dem Spielplatz beim Klettern zu beobachten. Oder ein Hundebesitzer, der vor lauter Geglotze auf sein Handy nicht einmal bemerkt hat, dass sein Hund sich in der Leine verheddert hat. Der Hund hat mich verzweifelt angeschaut und ich schaute verständnisvoll zurück, aber helfen konnte ich ihm leider nicht.

Was ist los mit euch Menschen? Ist die Welt im Internet um so vieles interessanter als euer reales Leben? Werdet ihr euch im Alter an all die Sachen erinnern, die ihr im Internet gesehen habt? Werdet ihr nicht eventuell reale Abenteuer und Begegnungen vermissen, die ihr versäumt habt, weil ihr keine Zeit hattet für Reales, weil das Internet eure Zeit gefressen hat?

Ich bin froh, dass ich kein Handy habe. Mein Mensch ist meine Managerin, und sie besitzt und benutzt ein Handy, das genügt. Ich schaue lieber in den Himmel, beobachte Mäusebussarde und Rotmilane, schaue in die Ferne, ob ich etwas erspähen kann, und ich beobachte gerne Menschen bei ihren Tätigkeiten. Leute beim Starren ins Mobiltelefon zu beobachten, das langweilt mich allerdings enorm.
Martina Schwarzmann, eine bayerische Kabarettistin, die wir gerne bei langen Autofahrten hören, singt in ihrem Lied „Mei Ruah“ : „I bin net bei Facebook, i bin bei mir.“ (Beim Klicken auf den Link kommt man direkt zum Lied.)

Ich habe meinen Menschen gefragt, wie das Internet das Sozialleben der Menschen beeinflusst. Sie hat diese Frage spaßeshalber dem Internet gestellt und bekam als Antwort (Google): „Es ermöglicht uns, in Echtzeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu interagieren…“
Wenn ich losprusten könnte, dann hätte ich es getan. Man kann also mit Menschen weltweit kommunizieren und interagieren, vergisst aber zeitgleich, dass Menschen und Tiere direkt um einen herum existieren, mit denen man auch kommunizieren und interagieren könnte.
[Ein Falke hat kein Zwerchfell und kann darum nicht losprusten.]

Abschließend möchte ich zugeben, dass ein Mobiltelefon auch seine Vorteile hat. Wir konnten im Urlaub sehen, ob es Stau auf unserem Weg gab und konnten diesen umfahren. Wir konnten schauen, wie sich das Wetter in den nächsten Tagen entwickelt, um zu entscheiden, wohin wir fahren wollten. Wir konnten Fotos verschicken, über die sich unsere Familie daheim gefreut hat.
Aber trotz all der vielen Fotos, die mein Mensch von mir gemacht hat, habe ich das Gesicht meines Menschen hundertmal öfters gesehen als die Rückseite ihres Handys, und das war schön.










Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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