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Gastbeitrag von Bjoern / Naalas Geschmackssinn

Naala, das ist Suaheli und heißt „Prinzessin“, und die stolze Trägerin dieses Namens ist eine kleine Büscheleule.

Als sie zu mir kam, war sie nicht ganz gesund. Alle 6 Wochen ging es ihr einige Tage nicht gut – das sieht man einem Vogel gleich an, er zieht den Kopf ein, hat die Augen meist halb geschlossen, die Flügel hängen herunter, das Gefieder ist am Körper mehr und am Kopf weniger aufgeplustert als sonst.

Wir waren bei etlichen Tierärzten, aber wie es oft ist, es konnte nichts Konkretes gefunden werden.
Wir haben einiges probiert, meist beginnt so eine Behandlung damit, dass ein Breitbandantibiotikum verschrieben wird.
Und damit ergibt sich die allgemeine Frage: Wie bekomme ich das Medikament in den Vogel?
Wer schon einmal versucht hat, einem Kleinkind Lebertran zu verabreichen, weiß vermutlich, wovon ich rede.

Wenn man Glück hat, dann ist die Menge des Medikaments gering und man kann versuchen, die Medizin in einem Stück Fleisch ganz verschwinden zu lassen.
Da aber normalerweise das erste Stück nach allen Regeln der Kunst von vorne nach hinten durchgekaut wird, benützt man besser erst den zweiten Bissen als Trojaner.
Im Laufe der Zeit haben wir auch verschiedene andere Taktiken entwickelt – jede meist nicht sehr lange anwendbar. Früher oder später merkt der Vogel wie der Hase läuft, dann muss man sich den nächsten Trick ausdenken.

Das Problem ist der Geschmack der Substanzen, da könnten sich die Hersteller ruhig mal ein wenig mehr Mühe geben.
Schlecht schmeckende Tabletten lassen sich einfach zu Pulver zermörsern. Pulver (und manchmal auch Flüssigkeiten) kann man selbst in Gelatinekapseln einfüllen, die gibt es in allen Größen im Internet zu kaufen. Dann wird das Ganze erst mal geschmacksneutral.
Diese Kapsel schiebt man dann dem Vogel möglichst tief in den Schlund und hofft darauf, dass er sie herunterschluckt.
Klappt das nicht (manchmal schütteln die Tiere so lange den Kopf, bis der Bissen wieder herausgeschleudert ist), dann präpariert man ein Futtertier. Man schiebt die Kapsel in den Hals eines Futtertieres oder schneidet eine Tasche in ein wohlschmeckendes Stückchen Fleisch. Flüssigkeiten kann man mittels Spritze in ein Futtertier injizieren. Geht aber meist nur ein paar Mal gut, bevor der Vogel den Braten riecht.

Für schwere Fälle gibt es noch die klassische Methode: Man nimmt einen Plastikschlauch, Außendurchmesser je nach Größe des Vogels bis zu 6mm, und eine Einwegspritze.
Den Plastikschlauch kann man (vor dem ersten Gebrauch) mit einem Heißluftföhn vorne kurz erwärmen, dann rundet sich die Schnittkante etwas ab.
Vor Gebrauch legt man ihn in lauwarmes Wasser, damit er weich und biegsam wird; vor dem Einführen ein bisschen Speiseöl draufgeben, dass es besser rutscht.
Wenn er handwarm ist, führt man ihn in den Schlund des Vogels ein (am einfachsten geht das, wenn man den Schlauch an der linken Schnabelseite ansetzt und nach rechts hinten schiebt) bis er etwa den Kropf erreicht hat. Wenn es Bedenken gibt, dass man die Luftröhre statt der Speiseröhre erwischt hat – im Fall der Luftröhre würde das Tier sichtbare Atemprobleme bekommen.

Doch nun zurück zu meiner eingangs erwähnten kleinen Prinzessin Naala:
Selten tritt der Glücksfall ein, dass die Medizin gut schmeckt, was bei Bene-Bac der Fall war. Das ist ein Mittel zum Wiederaufbau der Darmflora von Naala nach der Behandlung mit Antibiotika.
Die erste Dosis haben wir schamhaft im Innenteil eines Kükens versteckt, zu unserem großen Erstaunen hat das Stück die Geschmacksprüfung unbeanstandet durchlaufen.
Am nächsten Tag dachte ich mir dann: Schluss mit heimlich. Ich habe das fragliche Stück zwar nicht demonstrativ, aber immerhin im Blickfeld des Vogels präpariert. Ich dachte mir, zweimal hintereinander trickse ich ihn eh nicht aus. Staunend konnte ich dann verfolgen, wie das Futterteil ohne viel Aufhebens in Naala verschwand.

Zu einer Geschichte wird das aber erst mit dem dritten Kapitel bzw. Tag:
Naala ist gut drauf, war mittags schon mit mir spazieren, draußen scheint die Sonne. Naala turnt hinter mir im Regal rum, lässt ihren Hungerruf ertönen und landet auf meinem Schreibtisch mitten in meiner gewohnten Unordnung. Einen Moment stöbert sie zwischen Werkzeug, Scheckkarten, Kugelschreibern und Fernbedienungen, dann zieht sie triumphierend die Tube Bene-Bac unter dem Krempel heraus und beginnt, sie nach allen Regeln der Kunst zu untersuchen und zu bearbeiten. Eine Weile schaue ich ihr zu, dann überrede ich sie, mir die Tube abzugeben. Ich öffne den Verschluss und drücke ein wenig von der Paste heraus, Naala probiert, ohne zu zögern, findet es gut und nimmt noch zwei weitere Batzen.
Gut, wäre sie ein Oktopus gewesen, hätte sie den Verschluss vielleicht selbst geöffnet.
Aber ich bin von der Leistung, aus lediglich einer Beobachtung eines Vorgangs ein so komplexes Verhalten abzuleiten bis unter die Hutschnur fasziniert. Kluge Naala!

Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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