Dirk Harders ~ 2 ~ Greifvogelzucht

Dirk, wie bist du zur Greifvogelzucht gekommen?

Die Zucht von Greifvögeln unter Haltungsbedingungen war für mich während der ersten 25 Jahre kein Thema. Damals wie auch heute gab es genügend Züchter, bei denen man gute Qualität bekommen konnte. Durch meinen Sakerfalken „Dana“ hatte ich allerdings einen Punkt erreicht, an dem ich mir ernsthaft Gedanken machen musste. Erstmals hatte sie sich am 01.06.1998 verstoßen. Für einen Sakerfalken völlig untypisch flog sie nicht in südöstliche, sondern 387 km in nördliche Richtung.
5 Tage später wurde sie von den dänischen Falknern Frank und Pernille Hansen eingeholt. Am 06. Februar 1999 kehrte sie nicht ins Wildfluggelände zurück, und nun sollte ich 11 lange Monate warten, bevor ich sie wieder auf die Faust nehmen konnte.

Sakerfalke „Dana“ im Wildfluggelände

Sein Glück soll man ja bekanntlich nicht mit Füßen treten. Also machte ich mich auf die Suche nach einem passenden Zuchtpartner für „Dana“. Fündig wurden wir wiederum in Dänemark. Ein Freund von Frank und Pernille flog einen Sakret, der vom Falcon Center aus Helvesiek/Niedersachsen stammte. Er hatte das richtige Alter und so wurde eine Zuchtgemeinschaft vereinbart. Am 20.07.2000 ging es für „Dana“ nach Dänemark. Das Paar harmonierte von Anfang an gut, und am 15.03.2001 kam um 20:47 Uhr der ersehnte Anruf. „Dana“ hatte bereits 3 Eier gelegt und es sollten noch zwei weitere folgen. Am 25.06.2001 ging es für mich per PKW in Richtung Norden. Alle Beteiligten waren froh darüber, dass es überhaupt mit einer Zucht geklappt hatte, aber mit einem solchen Ergebnis hatte niemand gerechnet.

Welche Probleme kann es bei der Zucht geben?

Bevor die erste eigene Nachzucht beringt und vermarktet werden kann, muss im Vorfeld vieles geleistet werden. Die Zucht von Greifvögeln unter Haltungsbedingungen ist zudem sehr zeit- und arbeitsintensiv.

Bevor es also soweit ist, muss man finanziell in einem nicht unerheblichem Rahmen in Vorkasse gehen. Die Zuchtkammern sollten immer baulich von hoher Qualität sein, denn Stürme mit 11-12 Windstärken sind bei uns an der Nordseeküste keine Seltenheit. Um letztendlich gutes „Material“ in den Kammern stehen zu haben, sollte man Greifvögel von namhaften Züchtern erwerben. Je nach Greifvogelart muss ich dann 2 bis 7 Jahre warten, bevor sich erster Nachwuchs einstellen könnte. In all den Jahren wo ich warte, steigen meine Ausgaben weiter an. Wenn man keine „Kükenlutscher“ vermarkten will, dann muss ich dazu bereit sein, hochwertiger zu füttern. Also Tauben, Wachteln, Ratten und Mäuse. Es empfiehlt sich, Kleinnager selbst zu züchten, damit immer frisch tote Atzung zur Verfügung steht. Plane ich mit einem Zweitgelege zu arbeiten, dann benötige ich eine hochwertige Brutmaschine und eine Wärmebox zur weiteren Aufzucht nach dem Schlupf. Bevor man überhaupt von einem Nettogewinn sprechen kann, hat man einiges an Kosten zu tragen.

Ein zunehmendes Problem besteht seit ein paar Jahren darin, dass die Züchter auf ihren Nachzuchten sitzen bleiben. In den sozialen Netzwerken oder auch bei „Falcon Breeding.EU“ konnte man die Entwicklung und Strömungen innerhalb der letzten 10 – 15 Jahre gut verfolgen. Der Markt wird mit Nachzuchten aller Art überschwemmt, die anscheinend niemand mehr benötigt. Immer mehr Personen stellen aus diesem Grund ihre Zucht komplett ein. Vor einiger Zeit hatte sich ein Züchter aus Altersgründen von seinem gesamten Zuchtbestand getrennt. 100 Großfalken wurden für 500 Euro per Stück angeboten. Was wird denn aus all diesen Zuchtvögeln, die ja augenscheinlich nicht mehr benötigt werden und trotzdem neue Besitzer finden?

Neben einigen weiteren Personen, habe ich mir als Züchter von Sakerfalken in Europa, innerhalb der letzten 20 Jahre einen guten Namen machen können. Unsere Falken und Zuchtlinien sind bekannt, und aus diesem Grund kamen unsere Kunden schon aus Schottland, England, Irland, Dänemark, Belgien, Frankreich, Italien, Bulgarien, Polen, Griechenland und einigen deutschen Bundesländern zu uns nach Oldersbek, um ihre bestellten Falken in Empfang zu nehmen.

Falkenhändler aus dem arabischen Raum haben anfänglich immer wieder versucht bei mir „einkaufen“ zu können. In diesen Händlerkreisen dürfte sich dann aber herum gesprochen haben, dass ich nicht dazu bereit bin, meine Falken in den arabischen Raum abzugeben.

Als Züchter sollte man sich auch im Klaren darüber sein, dass man für seine Nachzuchten die Verantwortung zu tragen hat. Die Jungvögel können sich ihre späteren Besitzer nicht selbst aussuchen. Hier sollte also von Seiten der Züchter die Messlatte entsprechend hoch angelegt werden, nur wird dadurch eine Vermarktung nicht einfacher.

Veröffentlicht von Ronjas Mensch

Falknerei ist kein Hobby, es ist Leidenschaft. - Ronja meint: "Falknerei ist die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. " ;-)

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