Mein Mensch hat mich nach meinem Flugtraining schon oft gefragt, wie es sich anfühlt, zu fliegen. Wie soll ich ihr das erklären? Für manche Erfahrungen gibt es keine Worte. Darum sagte ich zu ihr: „Tu es einfach.“

Ein paar Wochen später fuhr mein Mensch nach Österreich ins Stubaital. Dort lebt einer der besten Tandem Piloten, der neben Tandem Gleitschirmflügen auch Tandem Drachenflüge anbietet.
Was eignet sich besser, als ein Drachenflug, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie sich ein Vogel fühlt, der hoch oben kreist und die Thermik nutzt?

Das Wetter hätte nicht besser sein können. Der Wind wehte aus genau der richtigen Richtung, um neben der Bergstation der Kreuzjochbahn auf über 2.100 Meter zu starten.
Und dann hat sie es getan. Sie wurde für einen langen Moment ein Teil der Luft, ein Teil des Himmels und des Windes.

Michl, der Pilot, hat ihr gezeigt, dass Fliegen oft kein Tun ist, sondern ein Geschehenlassen. Sie kreisten am Himmel bis auf 2.400 Meter hoch. Sie machten kurze Sturzflüge, bei denen sie sehr schnell wurden. Natürlich nicht so schnell wie ich bei meinen Angriffssturzflügen.
Der Flugwind war so laut, dass alles andere still wurde. Die Bäume und die Menschen unten wurden immer kleiner und bedeutungsloser. Mein Mensch fand dafür keine Worte und verlor jegliches Zeitgefühl, weil auch die Zeit bedeutungslos wurde.

Sie begann zu verstehen. Nicht alles, aber genug.
Mein Mensch war (was selten vorkommt) sprachlos, vollkommen begeistert und um eine wertvolle und atemberaubende Erfahrung reicher.
Die Landung auf einer Wiese im Tal klappte einwandfrei. Tausend Dank an den Piloten Michl Müller, dass er meinem Menschen eine Ahnung davon vermittelt hat, wie sich das Fliegen anfühlt.




