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Zwei Falken und ein Pferd

An einem Sonntag im Frühling war ich eingeladen zum „Hüfle-Baden“.
Da ich überhaupt nicht wusste, was das ist, sagte mein Mensch zu mir, ich solle mich überraschen lassen.
Wir fuhren ein Weilchen im Auto. Dort angekommen, wurde mir meine Haube abgenommen.
Welch Überraschung! Von wegen, das Leben ist kein Ponyhof.

Wir waren auf einem Pferdehof, der sehr idyllisch liegt, eingebettet in sanfte grüne Hügel. Das erklärt das „Hüfle“. Für alle Nicht-Schwaben: Huf, davon die Niedlichkeitsform mit -le am Ende, wie die Schwaben das eben gerne machen. 😉
Und schon durfte ich Keila kennenlernen, eine junge hübsche Isländer-Stute.

Das rechts ist Keilas Hüfle. Ich fragte sie, warum man das nun baden müsse, aber darüber wusste Keila auch nichts. Zu meiner Überraschung war ich nicht der einzige Falke bei dieser Unternehmung.

Das rechts ist Emil, er ist ein Sakret = männlicher Sakerfalke. Emil gehört zur Besitzerin von Keila und er ist der einzige männliche Teilnehmer des heutigen Hüfle-Badens.

Wir spazierten alle zusammen über einen schönen kleinen Weg bergauf, bis wir zu einer sattgrünen Wiese kamen. Keila wollte grasen, die Menschen wollten fotografieren. Diesen kleinen Interessenkonflikt lösten wir dadurch, dass wir erst das eine, dann das andere machten.

Keila ist ein sehr sympathisches Pferd. Gegenüber anderen Pferden ist sie eher schüchtern, zu Menschen ist sie frech und gegenüber uns Falken lieb und gelassen. Als ich meine Flügel ausgebreitet habe, hat Keila nicht mal mit der Wimper gezuckt. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden, weil wir Tiere auf eine sehr feine Art und Weise kommunizieren können.

Nach unserem Spaziergang kehrten wir zum Pferdehof zurück. Sollte nun endlich das Hüfle gebadet werden?
Nein. Keila kehrte zu den anderen Stuten zurück. Die Menschen schnappten sich Stühle, Sitzkissen, Kühlbox, Tupperdosen, Tassen und Gebäck und machten es sich auf einer Wiese gemütlich. Fröhlich wurde mit Sekt angestoßen und nun endlich begriff ich, dass das Hüfle symbolisch in Sekt „gebadet“ wird, wobei der Sekt natürlich getrunken wird. Es wird auf die Gesundheit des Pferdes angestoßen.
Das nennt man also „Hüfle-Baden“.

Emil und ich gingen allerdings leer aus. Auf Sekt legen wir absolut keinen Wert, aber keine der Damen hatte daran gedacht, uns kulinarisch zu versorgen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den Menschen beim Essen und Trinken zuzuschauen.
Trotzdem war der Ausflug schön! Mir hat es viel Spaß gemacht und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Keila.

Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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