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Warum Falken gähnen

Wenn man meinen Menschen vor einiger Zeit gefragt hätte, warum ich gähne, dann hätte sie geantwortet:
„Weil mein Falke müde ist.“

Heute weiß sie es besser.

Ich gähne manchmal nach einer Anspannung, nach einem Flug oder nach einem Moment, in dem mein Körper aufmerksam war.
Das Gähnen ist wie ein Übergang, von Spannung zur Ruhe.
Mein Körper reguliert sich, mein Atem wird ruhiger und meine Muskeln entspannen sich.

Während ich gähne, geschieht in mir etwas Interessantes.
Mein Gehirn braucht die richtige Temperatur, um klar und schnell zu arbeiten.
Wird es zu warm, durch Anstrengung, durch Stress oder durch die Hitze des Tages, beginnt mein Körper gegenzusteuern.
Das Gähnen hilft dabei. Es ist Teil eines „biologischen Kühlsystems“.
Mit jedem Gähnen kühlt sich mein Kopf ein wenig ab. Meine Wahrnehmung wird wieder klarer und meine Reaktionen präziser.

Manchmal gähne ich nur einmal. Und an einem anderen Tag kann es vorkommen, dass ich viele Male nacheinander gähne.

Wenn mein Mensch mich gähnen sieht, dann weiß sie: Ich bin ruhig und mein Körper sorgt gut für sich.

Das Gähnen im Detail erklärt:

  1. Tiefe Inhalation des Luftstroms: Beim Gähnen reiße ich den Schnabel weit auf und atme tief ein. Dadurch strömt kühlere Umgebungsluft in den Rachenraum.

  2. Abkühlung des Blutes: Diese Luft kühlt das Blut in den umliegenden Blutgefäßen im Kopfbereich ab.

  3. Wärmeaustausch: Das abgekühlte Blut fließt direkt zum Gehirn und kühlt es ab. Gleichzeitig sorgt die Bewegung beim Gähnen dafür, dass wärmeres Blut vom Gehirn wegtransportiert wird.

  4. Spezielle Anpassung: Vögel besitzen eine spezielle anatomische Struktur, das Rete mirabile ophthalmicum, ein Geflecht aus Blutgefäßen, das einen effizienten Wärmeaustausch ermöglicht und das Gehirn vor Überhitzung schützt. 
    Auch manche Säugetiere haben dieses „Wundernetz“, besonders Tiere, die in heißen Klimazonen leben oder hohe körperliche Leistungen erbringen.

Wenn ich wach und aktiv bin, dann führt das zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität im Gehirn, was die Temperatur erhöht. Das Gähnen wirkt wie ein „Reset-Knopf“ zur Temperaturregulation, um die volle Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit des Gehirns wiederherzustellen. Zusätzlich zu dieser Kühlung wird meine Herzfrequenz erhöht, was dazu beiträgt, mein Denkorgan mit frischer Energie zu versorgen. 

Nachdem mein Mensch verstanden hat, was das Gähnen bei mir bewirkt, sagte sie: „Je mehr ich lerne, desto mehr wird mir bewusst, wie wenig ich weiß.“

Im Heft „Tinnunculus“ 2 / 2014 vom Deutschen Falkenorden gibt es einen Artikel dazu von Walter Bednarek.
„Warum gähnen unsere Beizvögel?“

Faszination Falke

Für einen Falken ist Falknerei die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. ;-)

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