Früherkennung bei Krankheiten

Vor einiger Zeit fiel meinem Menschen auf, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Sie konnte es aber nicht an etwas festmachen oder benennen. Ich flog, ich hatte Appetit, ich putzte mein Gefieder…, eigentlich alles wie immer.

Aber dann begann ich zu hinken und schonte einen Fuß mehr als den anderen.
Mein Mensch befürchtete erst, dass ich „Dicke Hände“ hätte, eine gefürchtete Stoffwechselerkrankung bei Falken. Aber beide Füße sehen völlig gesund aus, keine Auffälligkeiten.

Dann entschied sich mein Mensch, mit mir in eine Tierarztpraxis zu fahren, die auf Reptilien und Vögel spezialisiert ist. Die Veterinäre dort haben viel Erfahrung mit Falken, sie behandeln auch verletzte wilde Greifvögel, die dann wieder ausgewildert werden.

Herr R., der Tierarzt, hörte sich genau an, was mein Mensch ihm über mich berichtete. Dann schaute er sich meinen Fuß und mein Bein an und tastete mich ab.
Ich wehrte mich nur ein bisschen, der Form halber, aber ich hatte sofort das Gefühl, dass ich ihm vertrauen kann. Vielleicht weil auch mein Mensch dieses Gefühl ausstrahlte.

Nachdem aber äußerlich nichts zu finden war, was meine Schonhaltung erklären könnte, wurde ich unter das Röntgengerät gelegt und durchleuchtet. Da ich nun nicht mehr stillhalten wollte, bekam ich eine kleine Narkose mit Gas.
Schwupps, schlafen und schwupps, wieder wach. Das war kein Problem.

Außer, dass mein Röntgenbild aussieht, wie das eines Huhns (haha), zeigte es keine Auffälligkeiten bei meinem Bein. Das hätte ich denen auch gleich sagen können, aber mich hat ja mal wieder keiner gefragt. 😉

ABER der Veterinär entdeckte auf dem Röntgenbild, dass eine meiner Nieren seltsam aussieht, irgendwie vergrößert.

Ich war noch ein klein bisschen beschwipst von der Narkose, aber ich habe mitbekommen, wie der Tierarzt meinem Menschen alles ganz genau gezeigt und erklärt hat. Dann haben sie zusammen die nächsten Schritte besprochen, was es für Möglichkeiten gibt, mich weiter zu untersuchen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Herr R. ging raus, um alles vorzubereiten, und mein Mensch erklärte mir, was eine Endoskopie ist. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist nochmal eine Narkose nötig, dann erfolgt eine kleiner Schnitt, und dann wird ein Endoskop in mich eingeführt, damit man mit einer Minikamera in mich reinschauen kann. Aha.

Ich habe das Ganze komplett verpennt bzw. die Narkose hat gut gewirkt.
Mein Mensch wartete lange auf mich und machte sich Sorgen.

Dann, tataaaaa, wurde ich wieder zu ihr gebracht. 🙂
Dieses Mal fühlte ich mich noch mehr beschwipst, aber laut dem Veterinär habe ich die Narkose gut vertragen und prima überstanden.

Dann nahm sich der Tierarzt viel Zeit, um meinem Menschen die Bilder der Endoskopie zu zeigen und zu erklären.
Die Zusammenfassung lautet: Entzündungen an Niere und Lunge. 😦

Wahrscheinlich habe ich Nierenschmerzen und das strahlt ins Bein, was das Hinken verursacht.
Aber das Ganze sieht nach Frühstadium aus, also zum Glück früh erkannt und daher gut behandelbar.

Da Falken fast nie Symptome zeigen, kommen anscheinend viele Falkenbesitzer zu spät, und dann kann man oft nichts mehr machen, außer das Tier zu erlösen. 😦

Ich konnte die Sorge und Trauer meines Menschen spüren, aber Glück im Unglück durch Früherkennung!

Ich muss in nächster Zeit verschiedene Medikamente einnehmen, mein Mensch gibt mir diese scheußlich schmeckenden Flüssigkeiten über meinen Schnabel. Pfuibäh!

Ich soll weiterhin lockere Trainingsflüge absolvieren, damit Lunge und Luftsäcke durchgeblasen werden.

Und woher kommen diese Entzündungen??
Anscheinend sind wir Zuchtfalken anfällig für sowas. Die Zucht geht zu Lasten der Robustheit. Ein wilder Falke in der Natur hat sowas nicht?
Und wenn, dann hat er zumindest niemanden, der ihn wieder gesund pflegt.

Nach ein paar Wochen muss ich zur Nachuntersuchung, dann wird nochmal so ein Endoskop in mich reingeschoben.

Drückt bitte die Daumen, dass ich wieder gesund werde.

P.S.: Normalerweise stehe ich im Auto in meiner Box auf dem Rücksitz. Aber da mich mein Mensch auf dem langen Heimweg beobachten wollte wegen Narkose und so, durfte ich auf dem Beifahrersitz mitfahren. 🙂 Die anderen Autofahrer im Stau haben ganz schön blöd geschaut, hat mir mein Mensch berichtet…

Veröffentlicht von Ronjas Mensch

Falknerei ist kein Hobby, es ist Leidenschaft. - Ronja meint: "Falknerei ist die Kunst, einen Menschen an sich zu binden. " ;-)

10 Kommentare zu „Früherkennung bei Krankheiten

  1. Gute Besserung, Ronja!!
    Und eine Frage an Deinen Menschen: was genau sind denn die Kriterien, nach denen gezüchtet wird? Es ist ja von Hunden, Katzen, sogar den Bienen bekannt, daß immer wieder derselbe Fehler gemacht wird: die Neigung zu bestimmten Krankheiten zugunsten bestimmter Zuchtziele (egal ob Optik oder Charaktereigenschaften – bei Biens zB Schwarmträgheit, Honigertrag, Sanftmut) zu vernachlässigen. Ich bin neugierig, ob das auch bei Falken der Fall ist und wie sich ein Zuchtfalke (außer durch seine Anfälligkeit) von seinen wilden Verwandten unterscheidet…..

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für die lieben Besserungswünsche! 🙂
      Gute Frage! Die werde ich an ein paar Falkenzüchter weitergeben. Soweit ich weiß, wird viel auf Optik gezüchtet, weil eben doch das Auge mitkauft. Aber ich bin kein Profi, was das Thema Zucht angeht.
      So wie es die spezifischen Rassekrankheiten bei Hund und Katze gibt, wird es leider wohl mit der Zeit allen Zuchttieren ergehen. Dass es das Problem sogar bei Bienen gibt, war mir neu. Interessant und traurig zugleich.
      Was mir Sorge bereitet: wenn Zuchtfalken immer anfälliger werden, wird das Interesse an Wildfängen wieder größer und das wäre katastrophal!

      Liken

  2. Ach Du liebe Güte. Wie gut, dass das frühzeitig entdeckt wurde. Deine Frau Mensch ist sehr aufmerksam.

    Vielleicht hast Du Wassereinlagerungen im Bein/Fuss gehabt durch die erkrankte Niere.

    Recht gute Besserung und alle Daumen und Pfoten sind gedrückt.

    Liebe Grüsse,
    Jutta und Steve 🙂

    Gefällt 1 Person

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